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Flammeninferno im Urlaubsparadies „Plötzlich stand überall das Militär“ – Familie aus Wittmund flieht vor Feuer auf Rhodos

Trotz der heftigen Rauchentwicklung war im Atlantica Dreams Resort auf Rhodos am Samstagmittag noch nichts von einer Evakuierung zu sehen.

Trotz der heftigen Rauchentwicklung war im Atlantica Dreams Resort auf Rhodos am Samstagmittag noch nichts von einer Evakuierung zu sehen.

Katharina Kottysch

Rhodos/Wittmund - Katharina Kottysch kommen die Tränen, als sie ihre panikartige Evakuierung aus dem Atlantica Dream­s Resort auf Rhodos schildert. „Plötzlich stand in unserem Hotel überall das Militär“, sagt die junge Frau aus Wittmund, die mit ihrem Sohn, ihrem Freund und dessen Kind auf der griechischen Ferieninsel eigentlich die schönste Zeit des Jahres verbringen wollte. Seit Samstagabend erleben die vier Urlauber dort allerdings ihren schlimmsten Albtraum – weil die Waldbrände immer heftiger wüten und schon Tausende Menschen in die Flucht trieben.

Fast keine Informationen

Als unsere Redaktion am Sonntagnachmittag mit Kottysch sprechen kann, befindet sie sich mit ihrer Familie in einem anderen Hotel vorerst in Sicherheit. Der erste Schock sei „ein bisschen verdaut“ und auch den Kindern gehe es den Umständen entsprechend gut. Wie es in den nächsten Stunden und Tagen weitergeht? Katharina Kottysch weiß es nicht. „Man bekommt hier keinerlei Informationen.“ Auch das Personal des Reiseveranstalters TUI, über den die Wittmunder ihren einwöchigen Urlaub gebucht hatten, sei in dieser schrecklichen Situation keine Hilfe und kaum auffindbar.

Wind ist größtes Problem

Das größte Problem, so viel weiß Kottysch immerhin, seien die ständig wechselnden Winde. In einem Augenblick fühle man sich sicher, im nächsten sei die Situation angespannt. Eine Familie aus der Schweiz habe ihr erzählt, dass sie wegen der Flammen um ihr Leben rennen musste.

Die vier Urlauber aus dem Nordwesten Niedersachsens erreichten die Insel, auf der sich nach Angaben des Deutschen Reiseverbands derzeit rund 20 000 Deutsche aufhalten sollen, am Donnerstagabend. Beim Anflug und auch danach hätten sie nichts von den Bränden gesehen, die bereits seit Dienstag wüten und vom Wind immer weiter angefacht werden. Sogar am Samstagvormittag habe noch nichts auf die Evakuierung am Abend hingedeutet, sagt Katharina Kottysch.

So hatten sich die Wittmunder ihren Urlaub vorgestellt...

So hatten sich die Wittmunder ihren Urlaub vorgestellt...

„Wir waren am Pool und haben zwar Rauch gesehen. Das Feuer haben wir aber sehr weit weg in den Bergen vermutet“, sagt sie. Wie sich später herausstellen sollte, waren die Flammen aber gerade einmal zwei Kilometer von der Hotelanlage im Ort Gennadi entfernt, der sich im Südosten der Insel befindet.

Ohne böse Vorahnung machten sich die vier Wittmunder nach Angaben von Kottysch jedenfalls für das Essen um 19 Uhr fertig – doch irgendetwas stimmte an diesem Abend nicht. Zahlreiche Menschen aus anderen Hotels hätten sich plötzlich in der Empfangshalle aufgehalten, statt frischem Fisch aus dem Meer gab es für die Hotelgäste nur Sandwiches. Angestellte des Hotels begründeten dies laut Kottysch mit zwei Stromausfällen und einer deshalb nicht funktionierenden Küche. In Wahrheit liefen zu diesem Zeitpunkt aber wohl schon die Vorbereitungen für die Evakuierung.

„Alles ging ganz schnell“

Dann sei alles ganz schnell gegangen, erzählt Kottysch. Militärfahrzeuge hätten sie und andere Urlauber in ein anderes Hotel etwa 15 Kilometer südlich von Gennadi gebracht, zum Kofferpacken habe die Zeit gefehlt. Deshalb haben die Wittmunder aktuell nur die wichtigsten Dinge – Ausweisdokumente, Handy, Ladekabel – bei sich. Sie wisse nicht einmal, sagt Kottysch, ob die Flammen das Atlantica Dreams Resort und damit auch ihr restliches Gepäck mittlerweile vernichtet haben.

...und so werden sie in den vermeintlich sicheren Hotelanlagen untergebracht.

...und so werden sie in den vermeintlich sicheren Hotelanlagen untergebracht.

„Meiner Meinung nach hätte man früher handeln und uns früher informieren müssen“, sagt die Frau. Immerhin erfuhr sie im Laufe des Sonntags, dass eine erneute Evakuierung aus der Zwischenunterkunft geplant würde. Ob es aber mit der Fähre oder über den Landweg in andere Hotels auf der Insel oder sogar per Flugzeug an einen sicheren Ort auf dem Festland weitergehen sollte, sei zunächst offen geblieben.

Das Ziel ist der Mutter und ihren drei Begleiter eigenen Angaben zufolge aber ohnehin völlig egal. „Der Urlaub ist für uns gelaufen“, sagt Katharina Kottysch, „wir wollen jetzt einfach nur so schnell wie möglich weg“.

Nicolas Reimer
Nicolas Reimer Thementeam Polizei/Justiz
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