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NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Erste Hilfe unter Hypnose

14.10.2019

Bremen Die Notärztin Annette Held hilft mit Worten. Mit einer speziellen Hypnosetechnik könne sie Notfallpatienten beruhigen und Schmerzen unterbrechen, sagt sie. „Kurzzeitig merken sie sie nicht“, erklärt die 56-Jährige. „Man kann damit gebrochene Knochen wieder in die richtige Stellung bringen.“ Laut der Ärztin kann die Technik auch helfen, Blutungen oder Luftnot zu reduzieren.

„Bei Leuten mit Luftnot ist es so: Je mehr Angst, desto mehr Luftnot. Mit Hypnose können Sie diesen Kreislauf durchbrechen“, erklärt Held, die im Jahr 2015 mit ihrem Kollegen Thomas Kemmler-Kell das erste deutsche Ausbildungsinstitut für Notfall-Hypnose in Bremen gegründet hat. In den Seminaren lernen Fachkräfte aus dem Rettungsdienst, wie sie Menschen über Sprache in eine angenehme Trance versetzen.

Held zufolge sind Patienten in Notfallsituationen besonders ansprechbar für eine Hypnose. „Durch den Notfall schafft sich die Psyche einen eigenen Trancezustand – den können Sie benutzen, um schnell zu intervenieren“, erklärt sie. „Der Erfolg ist sehr gut.“ Held zufolge sind die meisten Patienten dankbar für das Angebot. „Fast alle gehen mit. Es ist ihnen völlig egal, was wir machen, Hauptsache, die Situation, in der sie sich befinden, hört auf.“

Notarzt Tobias Schmidt hat jüngst ein zweitägiges Ausbildungsseminar in Bremen besucht. „Ich denke, es ist kein Allheilmittel, sondern ein weiteres Werkzeug für bestimmte Situationen, zum Beispiel in der Behandlung von Schmerzen“, sagt der Facharzt für Anästhesie über die Notfall-Hypnose. Neben der positiven Wirkung auf die Patienten erhofft sich der 43-Jährige eine Erleichterung seiner Arbeit. „Als Notarzt ist der Einsatz sehr herausfordernd. Je mehr Möglichkeiten man hat, eine solche Situation zu meistern, desto ruhiger geht man zum Einsatz.“

Der emeritierte Professor Ernil Hansen, der am Universitätsklinikum Regensburg in der Hypnoseforschung und -lehre tätig ist, hält Sprache für ein außerordentlich wichtiges Mittel bei Notfalleinsätzen. Patienten hätten dann oft große Angst, was sich ungünstig auf das Immunsystem auswirke. „Es ist ein Schutzmechanismus. In der Trance hat der Körper Fähigkeiten, die er sonst nicht hat“, erklärt der 71-Jährige. Den Weg, Notfallpatienten mit einer therapeutischen Kommunikation zu begleiten, findet Hansen richtig. Dass Einsatzkräfte wie Rettungssanitäter Menschen hypnotisieren, hält der Anästhesist aber für falsch. Hypnose sollte als Therapie nur von Psychotherapeuten und Ärzten angewendet werden, fordert er. Die Gefahr des Missbrauchs sei groß. „Hypnose ist ein ganz scharfes Schwert.“ Bei Notfallpatienten sehe er auch keine Notwendigkeit für eine Hypnose. „Der Patient ist schon in einer Trance. Ich muss nur damit umgehen können.“

Das Bremer Ausbildungsinstitut sieht Hansen deshalb zwiespältig. „Das Wesentliche dort wird das sein, was ich für gut heiße, nämlich Techniken zu vermitteln, wie man Menschen im Notfall beruhigen kann.“ Techniken, wie man eine Hypnose einleitet oder vertieft, gehören aus Sicht des Forschers nicht in eine zweitägige Weiterbildung für Rettungskräfte.

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