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NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Mord ohne Leiche: Freispruch

21.11.2018

Bremen Richter Helmut Kellermann war nicht zufrieden. Er konnte es nicht sein. „Wir haben’s nicht geschafft. Der Versuch aufzuklären, ist gescheitert. Wir können uns nur bei den Angehörigen entschuldigen.“ Klare Worte nach dem Freispruch-Urteil für einen des Mordes angeklagten 58-Jährigen. Selbst der Staatsanwalt hatte zuletzt Freispruch gefordert.

Die Indizien waren zu schwach, Zeugenaussagen zu brüchig, Ermittlungspannen zu groß. „Es reichte uns nicht“, so Kellermann am Dienstag. Der 58-Jährige ist nun frei und kann bei Rechtskraft des Urteils nicht mehr – oder zumindest kaum noch – für dieselbe Sache angeklagt werden. „Für meinen Mandanten geht ein 25 Jahre langer Albtraum zu Ende“, sagte der Verteidiger. Die Familie der Verschwundenen wird weiter auf Antworten warten.

25. Juni 1993. Jutta Fuchs aus Bremen verschwindet. Kurz zuvor hatte sie den Angeklagten verlassen, bis dahin lebten sie zusammen mit ihrem Sohn in Bremen Nord. Sie verließ die Wohnung am Abend. Seitdem wurde sie nie mehr gesehen. Ihr Freund gerät ins Visier der Ermittler. Es werden persönliche Gegenstände der Frau auf einem Autobahnparkplatz gefunden, später wird eine Tüte aus dem Tietjensee bei Schwanewede gefischt, auch darin finden sich persönliche Gegenstände. Der letzte Hinweis auf Jutta Fuchs – bis heute.

Die Suche nach der Vermissten war prägend für die Ermittlungen. „Das trieb uns bis zuletzt an“, sagte Kellermann in seiner Urteilsbegründung. Die Familie und die Gesellschaft hätten ein Recht zu erfahren, was mit ihr passiert sei. „Sie haben ein Recht auf eine Antwort. Wenn sie keine bekommen, müssen sie die Gewissheit haben, dass alles getan wurde, um eine Antwort zu finden“, sagte Kellermann mit Blick auf die aufwendigen Ermittlungen.

Die Tüte mit den persönlichen Gegenständen war 1994 von Anglern im Tietjensee gefunden worden. Immerhin eine Spur. Das Landgericht genehmigte – trotz Zweifel am Erfolg – das Abpumpen des Sees. Ein Riesenaufwand, der nach Schätzung des Gerichts einen sechsstelligen Betrag gekostet haben dürfte. 35 Millionen Liter Wasser wurden in die nahe Weser gepumpt und der morastige Untergrund abgesucht. Spürhunde, Harken, Metalldetektoren, eine Drohne kamen zum Einsatz.

Weder eine Leiche noch Hinweise auf eine Tatwaffe oder auf einen Mord fanden sich. Zumindest das steht fest, und nichts sollte unversucht bleiben. „Die Kosten waren in Kauf zu nehmen“, so Kellermann. Das Gericht ist der festen Überzeugung, dass die Vermisste tot ist. Ob der Angeklagte für ihren Tod verantwortlich ist oder nicht – beides konnte nicht bewiesen werden. Ob das Urteil nun ein Freispruch erster oder zweiter Klasse sei, wolle er nicht kommentieren, so der Richter. Auf Grundlage der Sachlage sei der Angeklagte jedenfalls freizusprechen gewesen.


     bit.ly/nwzmord 

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