Büppel - Da staunten die Schüler der Grundschule Büppel nicht schlecht: Obwohl die ganze Klasse neben dem Laster stand, sah man vom Fahrersitz aus im Rückspiegel nichts. Denn sie standen alle im „toten Winkel“. Dort sind sie für den Lkw-Fahrer so gut wie unsichtbar.
Besonders gefährlich ist das, wenn Radfahrer oder Fußgänger an einer Ampel warten und dann geradeaus weiter wollen, gleichzeitig ein Laster aber nach rechts abbiegen möchte. „Wir hatten mehrere solcher Unfälle an der Bundesstraße, wo es zur Papier- und Kartonfabrik geht“, erklärt Eugen Schnettler, Präventionsbeauftragter der Polizei in Varel. Damit die Kinder möglichst nie an so einem Unfall beteiligt sind, sollten sie für die Gefahr sensibilisiert werden. Unterstützt wird die Aktion vom Round Table.
Weil das Problem in der Theorie aber nur schwer vermittelbar ist, musste schon ein echter Laster her. Die Logistik-Firma Albers aus Varel fuhr eigens für die Aktion mit einem Sattelschlepper vor. In dem Unternehmen ist das Problem natürlich bekannt. „Wir haben regelmäßige Sicherheitsschulungen und haben die gesamte Flotte mit zusätzlichen Spiegeln und Assistenzsystemen ausgestattet“, erklärt Georg Vorwerk von Albers. Damit könne der Fahrer auch in den toten Winkel schauen.
Zu sicher sollte man sich dennoch nie neben einem Lastwagen fühlen. „Nicht jede Firma stattet ihre Fahrzeuge so aus“, sagt Vorwerk. Laut Eugen Schnettler betrifft das vor allem Fahrzeuge aus Osteuropa. Und auch bei allen Zusatzspiegeln, Assistenzsystemen und Sicherheitstrainings: Auch Lastwagenfahrer können Fehler machen und andere Verkehrsteilnehmer übersehen.
Um den Grundschülern zu zeigen, wie es ohne die ganzen zusätzlichen Spiegel aussähe, wurden die Spiegel kurzerhand abgeklebt, bevor die Schüler auf dem Fahrersitz Platz nehmen konnten.
Um an einer Kreuzung mit Lastwagen ganz sicher zu gehen, haben Radfahrer im Grunde zwei Möglichkeiten: Sie können so weit vor den Lastwagen fahren, bis sie ins Sichtfeld des Lkw-Fahrers geraten. An der Mühlenstraße gibt es beispielsweise extra eine rote Fläche für Radfahrer, damit sie für den motorisierten Verkehr besser zu sehen sind. Die andere Möglichkeit: Die Radfahrer warten hinter dem Laster, bis dieser abgebogen ist und riskieren so nicht, unter die Räder zu kommen.
Die von Eugen Schnettler angesprochene Ampel an der Kreuzung Bundesstraße 437/Hellmut-Barthel-Straße wurde nach mehreren Unfällen mit nach rechts abbiegenden Lastwagen entschärft: Dort wurde die Ampelschaltung so verändert, dass Radfahrer und Lastwagen nicht mehr gleichzeitig „Grün“ bekommen. Seit der Umstellung hat es dort keine solchen Unfälle mehr gegeben.
