BUTJADINGEN - In Fedderwardersiel lief das Hafenbecken über: Der Parkplatz stand unter Wasser. Auf dem Burhaver Kirchhof knickte der Sturm einen Baum um.

Von Henning Bielefeld

BUTJADINGEN - Orkan über Butjadingen? „Noch ist ja gar nichts passiert“, sagt der Gemeindebrandmeister Wilfried Welp gestern Nachmittag um 17 Uhr. „Uns sind keine Schäden gemeldet worden.“ Doch Leenert Cornelius, den Vorsteher des II. Oldenburgischen Deichbandes, hält es nicht mehr in seinem Haus in Colmar bei Strückhausen. Es zieht ihn nach draußen in den Sturm. „Für heute Nacht“, sagt er ins Handy, „befürchte ich Schlimmes.“

Doch am Ende geht die Katastrophe am II. Oldenburgischen Deichband vorbei. „Die Pegel bei Borkum kippen schon“, sagt Leenert Cornelius, als ihn die NWZ um 22 Uhr am Schweiburger Deich erreicht. „Dabei ist das Hochwasser erst für 0.30 Uhr vorausgesagt.“ Von dem Sturm, der fünf Stunden zuvor noch in sein Handy geblasen hat, ist nichts mehr zu hören. Das Wasser kratzt gerade am Deichfuß.

„Es wird bis zu 2,30 Meter über Normalnull auflaufen – aber nicht, wie ich am Nachmittag befürchtet hatte, bis 4 Meter“, sagt Cornelius. In diesen Minuten beschließt der Chef des Deichbandes, die 300 Männer der Küstenwehr nicht zu alarmieren. Sie hätten ab 23 Uhr zu zweit kleinere Deichabschnitte kontrolliert und bei Schäden sofort Alarm geschlagen. Für den Fall der Fälle, sagt Cornelius, hat der Deichband „einige 100 000 Sandsäcke“ in der Wesermarsch bereit liegen – in den Sielbauwerken und im Bauhof Ovelgönne.

Auch der Leiter des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserbau, Küsten und Naturschutz, Claas-Heinrich Peters, und der Geschäftsführer des Kreisverbandes der Wasser- und Bodenverbände, Frank Steenblock, sind an diesem Abend bei der Arbeit.

Die sieben Kilometer zwischen Hobenbrake und Schweiburg sind die schwächste Stelle in der Deichlinie. Hier ist der Deich 70 Zentimeter zu niedrig – „unter Bestick“, wie der Fachmann sagt, und er ist auf moorigem Grund errichtet. „Bei der großen Sturmflut im Februar 1962 ist der Deich einfach beiseite geschoben worden“, sagt Leenert Cornelius. „Je länger das Hochwasser gegen den Deich drückt, desto gefährlicher wird es.“

In Butjadingen ist kaum etwas zu befürchten, sagt Leenert Cornelius. In Fedderwardersiel erreicht das Hochwasser um kurz vor 22 Uhr drei Meter über Normalnull – und klingt dann langsam ab. „Der Parkplatz am Hafen war überflutet“, sagt der Fedderwardersieler Dirk Henken der NWZ . „Aber es ist bei weitem nicht so schlimm gekommen, wie wir befürchtet hatten.“

Auch die Feuerwehr hatte sich vor allem um Fedderwardersiel gesorgt, wie Gemeindebrandmeister Wilfried Welp sagt. Im Bauhof der Gemeinde lagen die Sandsäcke schon bereit, mit denen die Feuerwehrleute die Häuser im Kutterhafen vor der Flut schützen wollten.

Doch kurz vor 22 Uhr erreicht die NWZ Wilfried Welp noch zu Hause. „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, freut er sich.

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