Carolinensiel - Die 23. Carolinensieler Schiffsandacht wird die letzte in dieser Form mit internationalem Schiffsgedenken sein: „Künftige Andachten am Museumshafen oder am Strand sollen allgemein das Thema Meer, seine Schönheit, seine Gefahren und auch seine Bedrohung durch den Menschen zum Inhalt haben“, kündigt Heike Ritter-Eden Leiterin des Sielhafenmuseums an.
Auch die ökumenische Schiffsandacht am Samstag, 22. Juni, um 10.30 Uhr, wird nicht am Hafen, sondern am Strand gefeiert – Anlass ist der 10. Geburtstag des Weltnaturerbes Wattenmeer. Musikalisch begleitet wird die Andacht vom Shantychor Carolinensiel und dem Posaunenchor Berdum. Ausrichter sind das Sielhafenmuseum, die ev. Kirchengemeinde Carolinensiel, die kath. Gemeinde St. Bonifatius Wittmund und das Nationalpark-Haus. Motto ist „Grenzenlose Weite?“.
Bei der 23. Schiffsandacht steht die Schiffsglocke des Auswandererschiffs „Johanne“ aus dem Inselmuseum Spiekeroog im Mittelpunkt. Anders als in den Vorjahren wird aber nicht nur aller Menschen gedacht, die 2018 ihr Leben auf See verloren haben. „Vielmehr wird der Umgang des Menschen mit der Natur thematisiert und die Grenzen des Menschenmöglichen aufgezeigt“, so Ritter-Eden.
Die Glocke der „Johanne“ wird eigens vom Vorsitzenden des Museumsvereins Dieter Mader und seiner Frau Marlies nach Harlesiel gebracht. Das Auswandererschiff „Johanne“ war 1854 auf seiner Jungfernfahrt von Bremerhaven nach Baltimore mit 216 Passagieren vor Spiekeroog im Sturm gestrandet. Über 80 Männer, Frauen und Kinder ertranken. Das Unglück war Auslöser für die Gründung des „Vereins zur Rettung Schiffbrüchiger an den ostfriesischen Küsten“ 1861, aus dem die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger hervorgegangen ist.
Nach Recherchen der Familie Mader sind im vergangenen Jahr 187 Schiffe aus 61 Ländern als Totalverlust verzeichnet. Dahinter stehen 674 tote Menschen. Das größte Schiffsunglück mit den meisten Toten ereignete sich auf dem Viktoriasee in Tansania am 20. September. Eine Fähre mit 400 Passagieren sank 50 Meter vom Pier entfernt. 224 Menschen starben. Zudem ertranken im zentralen Mittelmeer im Schnitt jeden Tag sechs Flüchtlinge – mindestens 2275 Menschen.
