Cloppenburg - Er war Fraktionsvorsitzender der SPD in Cloppenburg, ist von Beruf Rechtsanwalt und hat einen eigenen Migrationshintergrund. Und dann soll er laut Anklage Migranten und Asylbewerber mit gefälschten Papieren und mit zu Unrecht eingeheimsten Vorschüssen abgezockt haben. Im Prozess vor dem Oldenburger Landgericht gegen Adem Ortac (40) hat am Mittwoch ein junger Iraker erzählt, wie er sein Geld an den Cloppenburger Anwalt und SPD-Genossen verloren hatte.
Mundpropaganda: Unter Asylbewerbern habe sich herumgesprochen, dass der Angeklagte schnell und unbürokratisch Aufenthaltsgenehmigungen besorgen könne – trotz Bestehens eines ablehnenden Bescheids durch die Behörden. Er habe sich in der Verwandtschaft 1500 Euro zusammengeliehen und das Geld dem Anwalt gegeben. Passiert sei nichts. Später erst habe er erfahren, dass gegen den Angeklagten bereits ein Berufsverbot ergangen sei. Davon habe der Angeklagte aber nichts gesagt. „Der ist gar nicht tätig geworden für mich“, so der Zeuge.
Der Angeklagte hatte sich laut Anklage das Geld eingesteckt. „Was ist jetzt mit meinem Geld ?“, rief der Zeuge in den Sitzungssaal. Keiner konnte ihm helfen – und Ortac selbst schwieg. Das Geld ist weg. Eine Asylbewerberin aus dem Irak hatte noch viel mehr verloren – insgesamt 6500 Euro. Es ging um den Nachzug von Verwandten aus dem Irak, darunter mehrere Minderjährige. Der Anwalt in Cloppenburg habe das für sie regeln wollen, sagte die Zeugin am Mittwoch. Eigentlich konnte gar nichts schiefgehen. Sie hätten geregelt, dass das Geld zurückgezahlt werde, wenn es mit dem Nachzug nicht klappen würde, so die Zeugin. Der Nachzug klappte nicht, das Geld war weg.
In einem Fall konnte die Verteidigung am Mittwoch nachweisen, dass der Angeklagte für seinen Vorschuss doch etwas getan habe. Da soll er in der Sache mehrere 1000 Kilometer durch Deutschland gefahren sein. Zurzeit arbeitet die Kammer unter Vorsitz von Richter Dr. Ralf Busch die Fälle der Anklage ab, in denen Ortac zwar Vorschüsse kassiert, aber nicht tätig geworden sein soll. Dann folgen die schweren Fälle der mutmaßlichen Urkundenfälschungen. Hier soll der Angeklagte Einreisegenehmigungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge gefälscht haben. Obwohl er zwei Anwälte hat, übernimmt Ortac seine Verteidigung gern selbst. Er will auch wissen, wenn Dolmetscher angeblich falsch übersetzen.
