Cloppenburg - So viele Einsätze wie im vergangenen Jahr hat es noch nie für die Freiwillige Feuerwehr Cloppenburg gegeben – 308 Mal mussten die Kameraden ausrücken. Als Hauptgrund für den deutlichen Anstieg der Einsatzzahl im Vergleich zu 2016 (169 Einsätze) nannte Stadtbrandmeister Horst Lade am Mittwoch bei der Übergabe eines neuen Notstromaggregats (siehe Infobox) die Stürme: „Da waren wir tagelang im Dauereinsatz.“ Allein am 5. Oktober (Sturm Xavier) wurden die Einsatzkräfte mehr als 60 Mal alarmiert – meist „nur“ wegen umgestürzter Bäume.
Belastung nimmt zu
Aber auch zu Verkehrsunfällen und Bränden sind die Kameraden ausgerückt. „Die Belastung für uns ist schon extrem, zumal wir das alle ehrenamtlich machen“, sagt Lade. Derzeit habe die Feuerwehr 86 Aktive. „Für Entlastung müssen wir unser Personal aufstocken – dann verteilen sich die Einsätze auf mehreren Schultern“, meint der Stadtbrandmeister. So könnte man auch für die Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter für Feuerwehreinsätze freistellen müssen, mehr entlasten. „60 bis 70 Prozent unserer Einsätze sind tagsüber – wenn da ständig ein Mitarbeiter im Unternehmen fehlt, ist das für die Arbeitgeber nicht optimal.“
Gebaut wurde der spezielle Anhänger mit Notstromaggregat vom Cloppenburger Unternehmen Alfers & Sohn Nutzfahrzeuge GmbH. 2,5 Tonnen wiegen Anhänger und Aggregat zusammen. Charly Alfers erklärte bei der Übergabe an die Feuerwehr einige Besonderheiten des Geräts:
1. Steuerzentrale: Hier werden alle Funktionen und Daten auf einem Display angezeigt. Darunter befindet sich der Verteiler zur Einspeisung des Stroms ins Feuerwehrhaus.
2. Lichtmast: Auf 8,60 Meter kann der Lichtmast mit den Halogenscheinwerfern pneumatisch ausgefahren werden. Die Lichtpunkthöhe liegt bei 9,60 Metern.
3. Herzstück: Der Generator bringt eine Leistung von 40 kW – zur Verdeutlichung: Damit können zwölf Fritteusen zeitgleich betrieben werden. Der Tank fasst 210 Liter Diesel, so dass der Generator 26 Stunden am Stück laufen kann.
4. Fernbedienung: Unter anderem kann mit der Fernbedienung der Lichtmast aus- und eingefahren werden.
5. Aufbewahrungsbox: Zusätzlicher Stauraum für weitere Scheinwerfer, Kabel oder einen Feuerlöscher ist seitlich in silbernen Boxen zu finden.
Kostenpunkt für die Neuheit im Fuhrpark der Feuerwehr: 44 000 Euro hat die Stadt dafür bezahlt. „Eine gute Ausstattung der Feuerwehr ist immer wichtig“, sagte Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese (CDU).
Eingesetzt werden kann das Notstromaggregat bei Einsätzen in der Dunkelheit. Die Scheinwerfer sorgen für Tageslichtverhältnisse. Aber auch bei einem flächendeckenden Stromausfall kommt das Gerät als Netzersatzanlage zum Einsatz: Strom wird ins Feuerwehrhaus eingespeist und liefert so der Bevölkerung Notstrom.
Auch die psychische Belastung für die Kameraden, beispielsweise aufgrund von schweren Verkehrsunfällen, nimmt zu. „Die Führungskräfte sind geschult, eine psychische Belastung sofort zu erkennen und entsprechend einen Kontakt zu Notfallseelsorgern herzustellen“, sagt Lade und ergänzt: „Zum Glück kommt das bei uns nicht so häufig vor.“
Nachwuchs ist wichtig
Neue Feuerwehrmänner und -frauen kommen vor allem aus den eigenen Reihen: „Wir haben eine große Jugendfeuerwehr. In diesem Jahr kommen vier Kollegen von der Jugend zu uns in die Bereitschaft“, sagt Lade. Auch sonst lege man viel Wert auf Werbung – beispielsweise wolle man bei Schulführungen das Interesse der Kinder an der Feuerwehrarbeit wecken.
Mit hauptamtlichen Kräften für mehr Entlastung zu sorgen, hält Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese nicht für notwendig: „Im Moment gibt es zum Glück noch viele Ehrenamtliche. Auch die Nachwuchsarbeit der Feuerwehr ist gut, so dass neue Einsatzkräfte nachkommen.“ Sollte dies nicht mehr der Fall sein, müsse man zunächst darüber nachdenken, welche Einsätze man der Feuerwehr „ersparen“ könne. „Braucht man wirklich die Feuerwehr, wenn eine Katze auf dem Baum sitzt?“, fragt sich Wiese.
