Cloppenburg/Oldenburg - Den Sitzungssaal Nummer 7 des Oldenburger Landgerichts schmückt ein Gemälde des Malers (und Dichters) Georg von der Vring. Es zeigt eine Winterlandschaft bei Jever. Der Angeklagte Adem Ortac sitzt dem Bild genau gegenüber, aber am zweiten Verhandlungstag hatte Anwalt Ortac keinen Blick für das expressionistische Landschaftsbild. Sein Blick wandert zwischen dem Gericht unter Vorsitz von Dr. Ralf Busch, der Zeugenbank und den Zuschauersitzen hin und her.

Wie schon am ersten Sitzungstag sind Freunde und Verwandte von Ortac bei der Verhandlung dabei. Die ersten drei Zeugen sind Kriminalbeamte der Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta, die bei den Hausdurchsuchungen dabei waren, Zeugin Nummer 4 ist die damalige mit den Ermittlungen betraute Staatsanwältin Christine Wünker, heute Richterin am Amtsgericht Brake. Die Polizisten schildern, wie die erste Durchsuchung in Ortac’ Kanzlei und Wohnung vonstatten ging und was dort gefunden wurde: In Ortac’ Wohnhaus nichts, aber auf einem Rechner der Kanzlei eine mit „Bamf“ betitelte Datei als eine Art Blankovordruck für Aufenthaltserlaubnisse der Bundesanstalt für Migration und Flüchtlinge. Das Passwort des Rechners in der Kanzlei lautete „SPDCloppenburg“ erinnert sich die ermittelnde Kriminalbeamtin. Schnipsel mit Aktenzeichen waren ausgedruckten Blankovordrucken des Bamf zugeordnet. Bei der Hausdurchsuchung in der Kanzlei und Privatwohnung war die damalige Staatsanwältin Wünker dabei. Sie war es auch, die mit Ortac gesprochen hatte. In diesem ersten Gespräch hatte Wünker den Rechtsanwalt mit der Unterschrift auf einer Quittung für einen Beratungsvertrag konfrontiert, der die Ermittlungen wegen Betrugs und Urkundenfälschung in Gang gesetzt hatte. Er habe auch gesagt, dass das seine Unterschrift sei, aber ein Bekannter aus Gießen, dessen Name er nicht nennen wolle, sei dafür verantwortlich. Dieser namenlose Bekannte sei auch alle 14 Tage in seinem Büro in Cloppenburg gewesen und habe Zugang zu seinem Rechner gehabt. „In seinem Zimmer war es recht chaotisch, überall lagen Zettel herum“, erinnerte sich die Juristin.

Weitere Zeugen sind ein Flüchtlingsbetreuer und ein irakischer Kaufmann, der in Aachen lebt und dessen Bruder über Adem Ortac eine Familienzusammenführung erreichen wollte. Da war allerdings schon ein vorläufiges Berufsverbot gegen Ortac verhängt worden. Zwei weitere Zeugen stammen aus Afghanistan, beide hatten mit Ortac Kontakt aufgenommen und Honorarvorschüsse bezahlt – da hätte Ortac nicht mehr tätig werden dürfen.

Es sind weitere Verhandlungstage bis in den April terminiert.