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UNFÄLLE Bei Rasern nimmt der Tod gern Platz

MICHAEL LOOTS

CLOPPENBURG - Trotz aller Mahnungen, Kampagnen und Kontrollen wird im Oldenburger Münsterland gerast, was das Gaspedal hergibt. Die traurige Bilanz: 40 Menschen verloren 2007 auf den Straßen ihr Leben. Das sind sieben Menschen mehr (+21,2 Prozent) als im Jahr zuvor. Auch die 343 Schwer- und 1470 Leichtverletzten bedeuten eine deutliche Steigerung um 71 (+26,1 Prozent) und 291 (+24,7 Prozent). Auch die Zahl der Unfälle ist nach oben gegangen. Insgesamt krachte es in den Kreisen Cloppenburg und Vechta 5859 Mal. Das waren 647 Unfälle mehr als 2007 (+12,7 Prozent). Bei 1321 Zusammenstößen (+207) wurden Menschen getötet oder verletzt.

Die Hauptgründe für einen Crash waren Missachtungen der Vorfahrt (14,8 Prozent), mangelnder Abstand (14,3), zu schnelles Fahren (13,3) und Wildwechsel (12,7).

Die Statistik widerspricht gängigen Vorurteilen über Auswärtige, Migranten oder Leute mit „aufgemotzten Kisten“: In den meisten Fällen waren Einheimische und Ortskundige in die Unfälle verwickelt. Klaus Fangmann, Verkehrssachbearbeiter der Polizei, und Franz Kleene vom Straßenbauamt Lingen, ließen am Montag bei der Präsentation der Zahlen keinen Zweifel, wo aus ihrer Sicht die Krux liegt. „Die Leute fahren immer aggressiver“, meinte Fangmann, und Kleene sagte, die Raserei sei flächendeckend. Auch das stützt die Statistik: 16 Tote waren durch zu rasantes Fahren zu beklagen.

Fangmann und Kleene plädieren deshalb auch für eine flächendeckende Ausweitung der Tempo-Überwachung durch mehr mobile Kontrollen, aber auch stationäre Anlagen. Im Kreis Cloppenburg stehen acht, im Kreis Vechta gerade einmal drei „Starenkästen“. Dabei ist auch hier nachweisbar, dass Blitzautomaten die Zahl schwerer Unfälle minimieren. In Nordrhein-Westfalen konnte ein Landkreis die Zahl der Unfalltoten um 50 Prozent senken. Dort stehen 80 „Starenkästen“. Eine Halbierung der tödlichen Unfälle könne man auch hier erreichen, meint Kleene, wenn Politik und Verwaltungen nicht auf halbem Wege stehen blieben. Soll heißen: Es müssen mehr stationäre Anlagen und mobile Kontrollen her und marode Straßen ausgebessert werden.

Polizei reagiert

Die Polizeiinspektion

Cloppenburg/Vechta

hat in diesem Jahr die Senkung der schweren Unfälle zu einem Hauptziel erklärt. Dazu ist eigens eine fünfköpfige Projektgruppe initiiert worden.

Deren Leiter, Hubert Kröger, kündigte noch mehr Tempomessungen und -kontrollen an, die – wie früher – vielfach mit einem Anhalte-Team vorgenommen werden sollen. Durch die direkte Ansprache der Temposünder soll an deren Verantwortungsbewusstsein appeliert werden, künftig den Fuß vom Gaspedal zu nehmen.

Flankiert werden die Maßnahmen durch eine verstärkte Präsenz und Informationskampagne in Kindergärten, Schulen und bei Senioren. Auch die Medienarbeit soll forciert werden. „Schock-Plakate“ von grausigen Unfällen sollen in öffentlichen Einrichtungen den Besuchern zudem einhämmern: Bei Raserei ist der Tod nicht weit.

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