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Polizist Aus Jever In Cullera Die Policia Local ist wenig zimperlich

Melanie HanzZurzeit In Cullera

Cullera/Jever - „Doch sehr ähnlich wie bei uns“: Thorben Klein, 31, Polizeikommissar in Jever, ist durchaus angetan von seinem Besuch bei der Policia Local in Cullera: Als Offizieller der jeverschen Delegation in der spanischen Partnerstadt ist es seine Aufgabe, Kontakt zu den Kollegen in Cullera zu knüpfen.

Damit die Städtepartnerschaft zwischen Cullera und Jever sich vertieft, sind neben Bürgermeister Jan Edo Albers auch Thorben Klein und Jevers Stadtbrandmeister Olaf Rieken mitgekommen, um auszuloten, ob es mögliche Berührungspunkte gibt.

Anders als in Deutschland, wo die Polizei Ländersache ist, wird die Polizei in Spanien kommunal organisiert: Die Policia Local ist die städtische Polizei Culleras, übergeordnete Aufgaben übernimmt die staatliche Guardia Civil.

Enge Zusammenarbeit

„Die Zusammenarbeit ist sehr eng“, betont Inspector Antonio Pellicer: Die kriminalitäts- und die Unfallzahlen sind in den vergangenen Jahren in Cullera gesunken. Pellicer ist unter anderem zuständig für Präventionsprogramme: Er geht in die Schulen, um mit Kindern und Jugendlichen die Themen Verkehrssicherheit, Gewalt und Kriminalität zu besprechen. Zudem gibt es Sonderprogramme für Mädchen – es geht um Gleichberechtigung und um häusliche Gewalt.

Häusliche Gewalt –  wenn Männer ihre Frauen misshandeln – damit wird in Spanien deutlich rigoroser umgegangen als in Deutschland. Das stellt sich im Gespräch zwischen Thorben Klein und Maria Nieves Martin Garcia schnell heraus. Es gibt bei der Policia Local de Cullera eine eigene Abteilung, die sich mit Tätern und Opfern befasst.

Maria Nieves Martin Garcia leitet als Oficial Policia diese Einheit mit gut 15 Polizisten. 48 Frauen und ihre gewalttätigen Männer stehen zurzeit in Cullera unter polizeilicher Kontrolle.

Das bedeutet: Die Frauen werden regelmäßig von den Polizisten kontaktiert, dann wird abgefragt, wie es ihnen geht, ob sie sicher sind, ob ihre Männer sich an die Auflagen halten. All das wird dokumentiert. Und wenn eine Frau nicht erreichbar ist, wird sie landesweit gesucht, fügt Polizeichef Juan Jose Figueres Lopez hinzu.

Zum Schutz der Frau

Je nach Einstufung des Risikos, das vom Mann ausgeht, werden Maßnahmen zum Schutz der Frau ergriffen: das reicht vom Hausverbot/Verweis der Wohnung über Näherungsverbote auf 500 Meter, Aufenthaltsverbot in der Stadt. Damit die Polizei den Gewalttäter unter Kontrolle hat, erhält er eine elektronische Fessel – ein Armband, das jederzeit seinen Aufenthaltsort an die Polizei übermittelt.

Männer, die sich widersetzen, gehen ins Gefängnis. „Und zwar sofort“, sagt Maria Nieves Martin Garcia: Da sind die Spanier rigoros. Sie erzählt von einem Mann, der bis 2023 unter Polizeikontrolle gestellt ist. So lange muss er das elektronische Armband tragen.

Hintergrund ist ein Sondergesetz zum Schutz von Frauen: Bei häuslicher Gewalt wird die Polizei sofort aktiv – egal, ob sich eine Frau für eine Anzeige ihres gewalttätigen Mannes entscheidet oder nicht.

„Das ist ein großer Unterschied zu unserem Vorgehen“, sagt Thorben Klein: Natürlich greift die Polizei auch in Jever ein, wenn ihnen ein Fall häuslicher Gewalt gemeldet wird. Doch Aufgabe der Polizei ist dann, die Situation aufzulösen, etwa durch ei­nen Wohnungsverweis des prügelnden Mannes. Doch zeigt die misshandelte Frau ihren Mann nicht an, passiert weiter erst mal gar nichts. Das löst bei den spanischen Kollegen erstauntes Stirnrunzeln aus.

Polizeichef Juan Jose Figueres Lopez ist übrigens sehr stolz auf die elf Polizistinnen in seinem Team: die Policia Local de Cullera war 1981 die erste Polizei in der Region Valencia, die Polizistinnen in ihren Reihen hatte. Sechs Frauen starteten damals ihre Polizeikarriere.

Eine weitere Besonderheit der Polizei in Cullera: Sie hält eine eigene Hundestaffel: Die Drogenspürhunde werden regelmäßig auf Parkplätzen eingesetzt und rund um Schulen.

Übrigens: Von 1996 bis 2014 war Jose Barbero Nicolau Polizeichef von Cullera. Und er ist auch ein Motor der Städtepartnerschaft zwischen Jever und Cullera – er war von Anfang an mit dabei. Bei den Besuchen der Jeveraner kümmert er sich rund um die Uhr, organisiert Programm und hilft als Dolmetscher. Und natürlich begleitete er nun auch Thorben Klein zur Polizei in Cullera.

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