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NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Jahresbilanz Der Dgzrs: Prominenter Politiker unter Geretteten

15.01.2020

Cuxhaven Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ist im vergangenen Jahr in 2140 Fällen an Nord- und Ostsee im Einsatz gewesen. Nach der am Dienstag in Cuxhaven vorgestellten Jahresbilanz der DGzRS blieb die Zahl der Einsätze damit auf einem konstant hohen Niveau.

Im Jahr 2019 haben die Besatzungen der rund 60 Rettungskreuzer und -boote fast 3400 Menschen Hilfe geleistet. 81 davon seien aus Seenot gerettet worden – „das heißt, sie wären ohne unsere Hilfe nicht mehr am Leben“, sagte ein DGzRS-Sprecher. 2018 waren es nicht mal halb so viele (38) gewesen. Die Seenotretter befreiten nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 270 Menschen aus drohender Gefahr und transportierten 373 Kranke oder Verletzte von Seeschiffen, Inseln oder Halligen zum Festland.

Die Zahl der Einsätze schwanke von Jahr zu Jahr, so der Sprecher. „Wir beobachten aber mindestens seit den letzten zehn Jahren, dass sich die Einsätze insgesamt bei gut 2000 bis knapp 2200 einpendeln.“ Ein Grund sei die Zunahme an Wassersportlern – darunter Segler, Motorbootfahrer und Trendsportler wie Stand-up-Paddler oder Kitesurfer. Unter dem Motto „Sicher auf See“ wendet sich die DGzRS verstärkt an Wassersportler und macht auf einer Internetseite auf Gefahren aufmerksam. Über die App „SafeTrx“ der Seenotretter kann im Notfall direkt auf den aktuellen Standort des Sportlers zugegriffen werden. Sie wurde laut DGzRS seit ihrer Einführung vor drei Jahren mehr als 20 000 Mal heruntergeladen.

Im Zuständigkeitsbereich zwischen Borkum und Usedom, der zu den am dichtesten befahrenen Seegebieten weltweit gehört, sind laut Sprecher außerdem immer mehr und größere Schiffe unterwegs. „Dazu kommt der Versorgungs- und Baustellenverkehr zu den Windparks.“ Die Retter wurden etwa gerufen, als im Maschinenraum eines solchen Zubringers Feuer ausgebrochen war.

Zu den dramatischsten Seenotfällen zählte im Mai ein Einsatz vor der Küste des Wangerlandes, wie es hieß. Dort sei eine Segeljacht auf der Außenjade gekentert. Die Seenotretter hätten drei der vier Besatzungsmitglieder lebend an Land gebracht. Einer 49-jährigen Frau hätten sie nicht mehr helfen können – ihre sofortige Wiederbelebung wäre erfolglos geblieben.

Ungewöhnlicher Einsatz

Die Hilfe für Segler und Angler gehört schon seit vielen Jahren zu den typischen Rettungseinsätzen der DGzRS. Oft wurden im vergangenen Jahr den Angaben zufolge auch kranke oder verletzte Menschen von Seeschiffen, Inseln oder Halligen zum Festland gebracht.

Einen ungewöhnlichen Einsatz bewältigten Freiwillige der Seenotretter mit ihrem Boot auf dem Achterwasser von Usedom, als sie im August einen fahrenden Heißluftballon in Schlepp nahmen, wie es weiter hieß. Auf diese Weise hätten sie dem Ballon-Piloten und seinen vier Gästen wohl eine Notwasserung erspart.

Einen knappen Monat zuvor im Juli war die DGzRS nach eigenen Angaben für Altbundespräsident Joachim Gauck unterwegs, der auf der Ostsee mit einem kleinen Segelboot im Flachwasserbereich des Saaler Bodden gekentert war. Seenotretter der Station Wustrow brachten ihren ehemaligen Schirmherren in einer undramatischen Rettungsaktion sicher an Land.

Flotte wird modernisiert

Die meisten Einsätze (1279) liefen an der Ostseeküste. Seit der Gründung vor 155 Jahren haben die ausschließlich aus Spenden finanzierten Seenotretter laut eigener Statistik insgesamt mehr als 85 000 Menschen Hilfe gebracht.

Um die Flotte zu modernisieren, wurden laut DGzRS 2019 in Schilksee, Wilhelmshaven, Breege und Horumersiel vier neue Rettungsboote in Dienst gestellt. Fünf weitere Einheiten für die Stationen Puttgarden, Norddeich, Travemünde, Ueckermünde und Borkum sollten in diesem Jahr folgen. Dazu komme erstmals ein eigenes Trainingsschiff. Nach 35 Jahren solle wieder ein Seenotrettungskreuzer den Namen „Hamburg“ tragen. Er sei für die Station Borkum vorgesehen. Das Spezialschiff wird den Angaben nach am 19. April an der Elbphilharmonie in Hamburg getauft.

Zur neuen Botschafterin der Seenotretter wurde die NDR-Moderatorin und Reporterin Anke Harnack ernannt. Sie übernahm am Dienstag das Ehrenamt von Vorgänger Bernd Flessner an Bord der „Hermann Marwede“, dem größten Kreuzer der Seenotretter. Der Windsurfprofi sagte, er wisse, wie es sei, bei Sturm zu surfen: „Aber mit einem Seenotrettungskreuzer bei jedem Wetter, bei Nacht oder im Nebel auszulaufen, um andere zu retten, ist eine ganz andere Nummer.“

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