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NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

„Das Grauen hört nicht auf“

23.06.2016

Oldenburg /Delmenhorst Der Klinikmörder Niels Högel hat auch in Oldenburg Patienten getötet – davon ist die Polizei überzeugt. In sechs Fällen besteht bisher dringender Tatverdacht, es könnte aber auch um weitaus mehr Morde gehen. Hunderte Patientenakten sollen nun überprüft werden. „Das Grauen hört nicht auf“, sagte Polizeipräsident Johann Kühme am Mittwoch in Oldenburg.

Hier zum Nachlesen: Kommentierter Liveticker zur PK der Soko Kardio

Nach Angaben von Oberstaatsanwältin Daniela Schiereck-Bohlmann hat Högel bei den Vernehmungen gestanden, mehrere Patienten mittels Kaliuminjektionen getötet zu haben. „Wie viele Patienten Opfer in Oldenburg waren, können wir derzeit nicht sagen.“ Der Ex-Pfleger hatte Tötungen im Klinikum Oldenburg bisher bestritten.

Dagegen sind die Ermittlungen im Klinikum Delmenhorst fast abgeschlossen. Bei 27 von 99 exhumierten ehemaligen Patienten seien Rückstände des Herzmedikaments Gilurytmal entdeckt worden, sagte Kühme. Bisher waren 24 Fälle bekannt. Das Mittel soll Högel den Patienten absichtlich gespritzt haben, um anschließend bei Reanimationen sein Können zu beweisen.

Die Polizei geht aber davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Opfer viel höher ist. Allein im Klinikum Delmenhorst starben 285 Patienten während der Dienstzeit des Ex-Pflegers in den Jahren 2002 bis 2005. Scharf kritisierte Kühme das Klinikum Oldenburg, wo Högel von 1999 bis 2002 arbeitete. Dort habe man von den Auffälligkeiten gewusst. „Die Morde in Delmenhorst hätten vermieden werden können!“

Klinikum-Geschäftsführer Dr. Dirk Tenzer wunderte sich gegenüber der NWZ  über den „martialischen Ton“ des Polizeichefs. „Wir wollen, dass aufgeklärt wird – aber auch, dass nicht vorverurteilt wird.“

„Beide Kliniken haben versagt“, sagte die Anwältin der Nebenkläger, Gaby Lübben (Delmenhorst), der NWZ. „So was fällt auf.“ Das hätten schon die Zeugenaussagen von Högels Kollegen im jüngsten Prozess deutlich gemacht.

Högel wurde bereits für sechs Taten zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Die Polizei geht davon aus, dass die Ermittlungen bis 2017 andauern werden. „Es wird natürlich eine weitere Anklage geben“, sagte Schiereck-Bohlmann.

Marco Seng
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2008
Karsten Krogmann
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2020

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