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SCHWEINEMARKT Ein Bieter denkt an Madagaskar

ULRICH SCHLÜTER

DEDESDORF - DEDESDORF - Mit einem Rekordergebnis endete gestern die Versteigerung des Borstenviehs „Jolanthe“ auf dem Dedesdorfer Schweinemarkt. Die 1. Wachabteilung der Feuerwehr Bremerhaven erhielt den Zuschlag für das 110 Kilogramm schwere Tier bei 4365 Euro. So etwas hatte der Schweinebaron Ehlert von Hasseln in seiner 30-jährigen Tätigkeit als „Jolanthe-Hüter“ noch nicht erlebt. Im Vorjahr erbrachte die gleichnamige Vorgängerin 3300 Euro. Der Erlös kommt dem Bürgerverein Dedesdorf/Eidewarden zugute.

Der 856. Dedesdorfer Markt wartete mit einem prächtigen Ergebnis auf, mit dem die Besucher im dicht gefüllten Festzelt bei feuchtwarmer Luft anfangs nicht rechnen konnten. Zwar schraubte Rolf Schmonsees bei seiner Auktionator-Premiere den Betrag für das Schwein immer höher, wobei auch der Nordvision-Organisator Uwe Lenz aus Nordenham und seine Mitarbeiterin Anja Hoyer fleißig mitboten, an die magische Grenze von 4000 Euro dachte dabei wohl niemand. Als dann ein Mitglied der Feuerwehr im Eifer des Gefechts seinen Oberkörper entblößte und immer wieder 5-Euro-Scheine, die ihm Kameraden zusteckten, in einen Eimer warf, wurden die Gäste hellhöriger. Im Wettstreit mit einem Bremerhavener Unternehmen überboten sich die konkurrierenden Parteien im Fünf-Euro-Rhythmus.

Die Botschaft an diesem Montagmorgen lautete Dedesdorf – den Namen des Dorfes jedenfalls hatte sich der Bieter der Feuerwehr auf seinen Körper tätowieren lassen. „Wenn wir das Schwein bekommen, wackelt das Zelt“, merkte ein Teilnehmer an. Die Kameraden der Wehr mussten aber zunächst mit einer Mettwurst vorlieb nehmen. Würste, die auf der Hauptbühne hingen, wurden nämlich in besonderen Fällen und bei geraden Summen an die Mitbieter verteilt. Schnell waren die Würste vergriffen, die Versteigerung trieb noch immer auf den Höhepunkt zu.

Zum Feuerwehr-Hauptbieter, dem eine junge Dame assistierte, hatten sich mittlerweile weitere Kameraden mit freiem Oberkörper gesellt, um die Stimmung weiter anzuheizen. Nach gut zwei Stunden war es dann so weit: Mit dem dritten Zuschlag hatten es die Brandretter geschafft. Großer Jubel brandete von allen Seiten auf die Gewinner ein.

Dass allen eine große Party bevorstehe, versprachen die Feuerwehrleute bei der Preisvergabe. Einer von ihnen bat das Publikum darum, ein Lied mit anzustimmen. Aus vielen Kehlen erklang dann „Wir lagen vor Madagaskar“ im Festzelt. Und „Jolanthe“? Das Schwein der Begierde mit einer grün-weißen Schleife um den speckigen Leib gebunden nahm es gelassen hin und verschlief den Tag.

Lange Tradition

Der seit 1149

stattfindende Dedesdorfer Markt wurde anfangs als Krammarkt vor der Laurentiuskirche in der Dorfmitte abgehalten. Bald jedoch fühlten sich die Gläubigen so gestört, dass sich die Kirche entschloss, den Markthamm anzukaufen und dort den Markt abzuhalten. Die enge Verbundenheit zwischen Kirche und Markt wird noch heute darin deutlich, dass der Dedesdorfer Markt an einem Wochenende nahe dem Laurentiustag – also dem 9. August – stattfindet.
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