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Sicherheit Der große Knall bleibt aus

Anna Maria Weiss

Lemwerder - „Im Idealfall gibt es einen großen Knall“, hatte Dennis Paack von der Gemeindeverwaltung Lemwerder noch am Mittwoch gehofft. Der blieb am Donnerstagvormittag aber aus – der Versuch, eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg unterirdisch zur Detonation zu bringen, schlug fehl.

Gut eine Woche lang hatten Experten des niedersächsischen Kampfmittelbeseitigungsdienstes um Sprengmeister Hans Mohr auf einer Weide in Depenfleth unweit des Gestüts Sosath die Vorbereitungen für den Sprengversuch getroffen. Dass es sich lediglich um einen Versuch gehandelt habe, hatte Mohr von Anfang an betont.

Frustriert über das Scheitern ist er am Donnerstag trotzdem. Umsonst die zahlreichen Löcher, die sein Team fünf bis sechs Meter tief in den Boden gebohrt hatte, immer in der Hoffnung, mit Hilfe von Wasserspülungen einen optimalen Zugang zum Blindgänger zu bekommen, um dann die Sprengladung platzieren.

Dass sie die Bombe nicht sehen konnten, sei die größte Schwierigkeit des ganzen Unterfangens gewesen, erklärte der erfahrene Sprengmeister. Messungen hatten ergeben, dass im Erdreich ein 1,40 bis 1,60 Meter langes und vermutlich 500 Kilogramm schweres Objekt verborgen liegt. Es optimal zu treffen, ist die Kunst. Durch ein Rohr wurde die Sprengladung angebracht und ferngezündet. Der Sprengstoff, sagte der Sprengmeister, habe die Kraft, 20 Zentimeter Stahl zu durchschlagen. Im Idealfall hätte er die Bombe zünden sollen. Doch statt des erhofften großen Knalls gab es nur einen kleinen nach der wirkungslosen Explosion der Sprengladung.

Enttäuschung

Auch in der Gemeindeverwaltung ist man enttäuscht, hier hatte das Vorhaben eine Menge Organisation bedeutet. Außerdem kommen auf die Gemeinde nun höhere Kosten zu. Nach dem Scheitern dieser günstigeren Variante ist es nämlich Hans Mohrs Ziel, noch dieses Jahr einen zweiten Versuch zur Entschärfung des Blindgängers zu unternehmen. Dann aber auf herkömmlich Weise.

Dazu muss die Bombe allerdings freigelegt werden. Weil am Fundort Kleiboden mit Kiesschichten und viel Wasser vorherrscht, müssen dazu unter anderem Spundwände gesetzt und ein Brunnen gebohrt werden. Die Kosten dafür belaufen sich auf 180 000 Euro, schätzte Mohr am Donnerstag. „Wir als ausführende Helfer der Gemeinde versuchen natürlich, die Kosten gering zu halten, aber liegen bleiben kann die Bombe da nicht“, sagte er. Er sprach damit Bürgermeisterin Regina Neuke aus der Seele, die ebenfalls das Bestreben hat, die Kosten der Sprengung so niedrig wie möglich zu halten. Mögliche Optionen sollen jetzt erörtert werden.

Kommt es zum zweiten Versuch, müssen sich die Anwohner wieder auf eine Evakuierung vorbereiten. Auch an diesem Donnerstag hatten 100 Personen in einem Radius von 1000 Metern um den Fundort ihre Häuser aus Sicherheitsgründen für rund eine Stunde verlassen müssen.

Die Polizei hatte das Gebiet ab 9 Uhr weiträumig abgesperrt und die Anwohner gebeten, ihre Häuser zu verlassen. Bis circa 10.30 Uhr waren die Beamten Volker Buchmann und Carmen Mönning im Streifenwagen im Evakuierungsgebiet unterwegs. „Hier spricht die Polizei. Verlassen Sie bitte umgehend ihre Wohnungen“, schallte es aus dem Lautsprecher. Bei zurückliegenden Häusern klingelten die Beamten, um sicher zu gehen, dass niemand mehr zu Hause ist. „Das hat alles gut geklappt“, fassten sie zusammen. Alle Bewohner hatten ihre Häuser verlassen, die meisten waren ohnehin bei der Arbeit, die Kinder in Schule oder Kindergarten. Die Begu als Aufenthaltsmöglichkeit nutzten die wenigsten.

Eigenes Risiko

Andrea Schweneker war eine von ihnen. Sie sah die Evakuierung entspannt. „Es ist ja nicht das erste Mal und falls ein Fenster kaputt geht, ist das nicht so schlimm. Das ist ja alles ersetzbar“, sagte sie.

Gelassen wurde auch beim Gestüt Sosath mit der geplanten Bombensprengung umgegangen. „Wir haben nur die Tiere in den Stall geholt, die in unmittelbarer Nähe des Fundortes der Bombe auf der Weide waren“, erklärte Besitzer Gerd Sosath. Ansonsten habe er auf eine Evakuierung verzichtet und der Gemeinde schriftlich bestätigt, dass er alleine das Risiko trage, sagte er. Hätte die Sprengung funktioniert, wären die Pferde wohl nur erschrocken gewesen. So wie bei einem Flugzeug, das die Schallmauer durchbricht“, mutmaßte Sosath.

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