Hannover - Aurich, Oldenburg und Vechta, Cuxhaven, Göttingen und Uelzen: Die Asservate, die beim Kriminaltechnischen Institut des Landeskriminalamtes (LKA) Niedersachsen in Hannover eingehen, stammen von Tatorten im gesamten Land. Rund 34.000 DNA-Proben untersuchten die Experten laut LKA zwischen 2020 und 2022 jährlich – nach dem Wegfall der Corona-Einschränkungen geht die Behörde nun jedoch von einer Zunahme der Straftaten und noch mehr DNA-Analysen aus.

Die zentrale Bearbeitung von besonderen Fällen hat durchaus Vorteile, weil in Hannover Experten mit ganz anderen Vorkenntnissen und technischen Möglichkeiten als in den lokalen Polizeiinspektionen tätig sind. Es besteht allerdings auch die Gefahr des Bearbeitungsstaus – vor allem dann, wenn ganz viele Polizeidienststellen ganz wichtige Asservate gleichzeitig einschicken und schnelle Ergebnisse erwarten. Im schlimmsten Fall könnte ein Krimineller diese „Wartezeit“ nach einer Tat für weitere Verbrechen nutzen.

Ein Mitarbeiter der Spurensicherung fotografiert den Tatort (Symbolbild). Wenn von dort auch noch Beweisstücke gesichert und analysiert werden müssen, verstreicht mitunter viel Zeit.

ZUSAMMENARBEIT VON POLIZEI UND LKA Warum Spurensicherung und DNA-Analyse wertvolle Zeit kosten

Nicolas Reimer
Oldenburg

Um dieses Risiko zu verringern, behilft sich das LKA mit einer speziellen Priorisierung, die unmittelbar nach dem Eingang der Untersuchungsanträge und unter Berücksichtigung einiger Faktoren erfolgt. Dazu zählen unter anderen Termine, die eingehalten werden müssen (etwa Gerichtsverhandlungen), vor allem aber die Deliktschwere. „Straftaten gegen das Leben und gegen die sexuelle Selbstbestimmung werden in der Regel priorisiert bearbeitet“, teilt ein LKA-Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion mit.

Wie viel Zeit bis zur Erstellung eines DNA-Profils und im Idealfall der Überführung eines Täters verstreicht, hängt trotzdem immer vom Einzelfall ab. Allein die molekulargenetische Analyse einer DNA-Probe dauere nämlich – abhängig vom Asservat, vom Umfang der Untersuchung und von den beteiligten Fachgruppen – unterschiedlich lang, erklärt der LKA-Sprecher.

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Eine Maßnahme für die Beschleunigung der Verfahren wäre eventuell die personelle und technische Aufstockung. „Unter der Annahme, dass mehr Personal eingesetzt würde und dieses entsprechend ausgestattet wäre, ist die Verringerung der Zeitspanne denkbar“, meint der LKA-Sprecher.

Nicolas Reimer
Nicolas Reimer Thementeam Polizei/Justiz