Esenshamm - Der Esenshammer Thomas Bijman möchte das nicht an die große Glocke hängen. „Was ich getan habe, war selbstverständlich“, sagt der 79-Jährige. Um Doris Kraft aus Hoffe einen Gefallen zu tun, willigt er dennoch ein, dass über seinen Einsatz berichtet wird.
„Ohne die sofortige Hilfe von Thomas Bijman hätte meine 13 Jahre alte Tochter Laura-Julin, die am 23. Juli vergangenen Jahres mit Inlinern verunglückt ist, den Sturz nicht überlebt“, sagt Doris Kraft. Sie hat daher Thomas Bijman als Kandidaten für die NWZ -Aktion „Mensch des Jahres“ vorgeschlagen.
Ihre Tochter war am ersten Tag der Sommerferien mit ihrer Freundin auf dem Heimweg nach Hoffe und wollte eine Abkürzung über den Esenshammer Friedhof nehmen. Anders als ihre Freundin hatte sie Inliner dabei und nutzte den betonierten Weg für Rollstuhlfahrer, der zur Kirche führt. Auf abschüssiger Strecke stürzte sie, überschlug sich mehrmals und schlug mit ihrem Kopf auf einen Findling auf. Thomas Bijman schaute nicht weg, sondern sorgte für umgehende Hilfe.
Mit lebensgefährlichen Verletzungen wurde die 13-Jährige per Rettungshubschrauber in eine Klinik eingeliefert. Inzwischen geht es ihr wieder sehr gut.
Per Handy alarmiert
Kurz nach dem Sturz habe er gemeinsam mit seiner 52 Jahre alten Tochter und einer 24 Jahre alten Enkelin auf dem Weg zum Grab seiner im Frühjahr verstorbenen Ehefrau den Unfallort bei der Kirche erreicht, berichtet Thomas Bijman. Seine Tochter habe mit ihrem Handy sofort Rettungskräfte alarmiert, seine Enkeltochter Erste Hilfe geleistet. Er habe dann an der Ortsdurchfahrt Notarzt und Rettungswagen zur Unfallstelle geleitet.
„Viel habe ich also gar nicht getan und was ich getan habe, war selbstverständlich, weil ich als Erster am Unfallort war“, sagt Thomas Bijman ganz bescheiden.
Wenig später sei Pastorin Bettina Roth mit dem Auto an der Pastorei angekommen, habe sich um die unter Schock stehende Freundin der 13-Jährigen gekümmert und die Familie der 13-Jährigen verständigt.
Thomas Bijman stammt aus den Niederlanden und lebt seit 1976 in Esenshamm. Zunächst hatte er gemeinsam mit seinem Bruder den elterlichen landwirtschaflichen Betrieb in der Nähe von Alkmaar geführt. Ab 1965 pachtete er einen Bauernhof in der Nähe von Emden. Von 1976 bis 1994 führte er einen Pachtbetrieb in Esenshammerberg.
Der christliche Glaube bedeutet dem Vater von zwei Töchtern und vier Söhnen sehr viel und gibt ihm ganz viel Kraft. Seine Kinder leben heute in Esenshamm, Schleswig-Holstein, Ostfriesland, bei Rastede, in den Niederlanden und in Kanada. Thomas Bijman ist stolzer Großvater von 19 Enkelkindern und auch ein humorvoller Mensch. Er empfiehlt: „Jeden Tag einmal lachen – dann lebt man länger.“
Thomas Bijman gehört zu dem Team der Malteser, das jeden Dienstagnachmittag im Mehrgenerationenhaus in Nordenham ein Erzähl-Café für demenziell veränderte Menschen und deren Angehörige anbietet. Für wenige Jahre gehörte der Katholik dem Vorstand des Kreiscaritasverbandes und dem Pfarrgemeinderat der St.-Willehad-Gemeinde an.
Kranken-Besuche
Zeitweise war er als Hospizhelfer tätig. Viele Jahre hat er als Fahrer die Sternsinger-Aktion in der Willehad-Gemeinde unterstützt. Noch immer besucht Thomas Bijman – auch auf Vermittlung von Pfarrer Erhard Bögershausen – kranke Menschen. „Die freuen sich, wenn ich komme – und ich freue mich, wenn ich helfen kann.“
