Edewecht/ bad Zwischenahn - Insgesamt vier neue Rettungswagen hat der Rettungsdienst Ammerland. Zwei in Edewecht und zwei in Bad Zwischenahn. Fortan wird jedes der Fahrzeuge im Schnitt etwa acht Einsätze pro Tag fahren. Der alte Rettungswagen (RTW) hat gerade einmal drei Jahre auf dem Buckel – und zählt doch schon zum alten Eisen: 204 000 Kilometer hat er in diesem Zeitraum auf dem Tacho gesammelt.
Seit dem 7. Dezember ist er in Edewecht nicht mehr die Nummer eins. Ersetzt hat ihn die neueste Generation des Mercedes Sprinter, 165 PS stark, mit Fahrspur- und Bremsassistent. „Die neueste Sicherheitstechnik“, fasst Thorsten Rabe, Leiter Rettungsdienst des Rettungsdienstes Ammerland, zusammen. Auch der Wagen hat in zwölf Tagen schon 2722 Kilometer zurückgelegt.
Fluoreszierende Farbe
Doch das Fahrzeug kann noch deutlich mehr als sein Vorgänger: Die fluoreszierenden Teile der Lackierung, also die roten und silberfarbenen Elemente, wurden deutlich vergrößert, um in der Dunkelheit eine höhere Sichtbarkeit, vor allem von der Seite und hinten, zu erzeugen. Die Warnlichttechnik ist vollständig durch LED-Licht ersetzt worden und im Front- und Seitenbereich sind zusätzliche Signallichter verbaut worden. „Insbesondere in Kreuzungsbereichen wird das Fahrzeug so noch besser gesehen“, weiß Rabe.
Denn bei Einsätzen in der Dunkelheit lauert die größte Gefahr, etwa an Unfallstellen. „Wer diese Beleuchtung nicht sieht, der hat ein ganz anderes Problem“, ist der Zwischenahner von der Technik überzeugt.
An Bord des Rettungswagens befindet sich alles, was es braucht, um Kranke und Verletzte bis zur Einlieferung ins Krankenhaus zu stabilisieren: Ein Beatmungsgerät für unterschiedliche Beatmungsformen etwa, ein EKG-Gerät für die Herzdiagnostik, um Herzinfarkte erkennen zu können, oder ein Absauggerät, um Verschleimungen bei Traumapatienten nach einem Unfall abzusaugen.
Versicherung sagt nein
Hinzu kommen eine Spritzenpumpe, um intensivpflichtige Patienten versorgen zu können, große Mengen an Verbandszeug und Notfall-Medikamente wie Narkose- und Schmerzmittel. „So können wir jedes medizinisch relevante Krankheitsbild behandeln“, erklärt der 50-Jährige. Aber das Tollste sei: „Wir haben ein Traumalicht an Bord, denn Traumapatienten mögen laut Studien ein ganz spezielles Licht.“ Es taucht das gesamte Wageninnere in ein tiefes Blau. „Das gab es beim Vorgängermodell auch noch nicht“, sagt Rabe.
Ein spezielles Fahrtraining bekommen Neulinge auf dem Fahrzeug nicht. „Es gibt nicht viele Anbieter, und die, die es gibt, verlangen das Mitbringen eigener Fahrzeuge“, erläutert Thorsten Rabe. „Da sagt die Versicherung nein, denn mit zwei Fahrzeugen hinfahren und mit einem zurückkommen – das Risiko ist einfach zu groß.“ Ganz ohne Vorbereitung werden junge Kollegen aber nicht in den Dienst geschickt. „Wir versuchen, sie langsam heranzuführen und bei erfahreneren Kollegen mitfahren zu lassen, um sie erst einmal mit für sie selbst nicht ganz so brenzligen Situationen zu konfrontieren“, führt der 50-Jährige aus.
NEF-System
Je ein Notfall- und ein Rettungssanitäter sind die Stammbesetzung eines solchen Rettungswagens. Ein Notarzt kommt stets aus der Ammerland-Klinik oder dem Bundeswehrkrankenhaus mit einem separaten Fahrzeug zum Einsatzort und begleitet, wenn erforderlich, den Krankentransport im RTW. Das System im Ammerland nennt sich NEF-System. Es steht für „Notarzteinsatzfahrzeug“.
Die Frage, welches Fahrzeug nun zu welchem Einsatz ausrückt, stellt sich dem Rettungsdienst pro Jahr etwa 22 000 Mal. Eine spezielle Fahrzeugstrategie kann dies schnell klären, denn sämtliche RTW sind mit GPS ausgestattet. „So kann man feststellen, welches Fahrzeug am schnellsten am Einsatzort sein kann“, weiß Rabe.
115 000 Kilometer
Die beiden Fahrzeuge, die in Edewecht stationiert sind, fahren pro Jahr rund 2850 solcher Einsätze, meist Notfalleinsätze. Das sind acht Einsätze pro Fahrzeug am Tag. 115 000 Kilometer summieren sich so für jeden Wagen, „auch weil die Krankenhäuser so weit weg sind“, sagt Thorsten Rabe. Die Fahrtwege seien eben sehr lang.
Ein wenig Bauchschmerzen bereitet Thorsten Rabe lediglich die Tatsache, dass auch im Ammerland die Zahl der Angriffe auf Rettungskräfte zugenommen hat. „Wir sind hier zwar noch eine Insel der Glückseligen“, sagt der gebürtige Oldenburger, „doch man muss auch sehen, dass es vor fünf Jahren weniger Angriffe waren.“ Halbstarke seien genauso dafür verantwortlich wie Alkoholisierte oder aufgeregte Angehörige von Kranken und Verletzten. „Meist sind es verbale Attacken“, so Rabe weiter, „und ich bin froh, dass es hier noch nicht so ist wie in den Großstädten.“
