EDEWECHTERDAMM - Die in Edewechterdamm aus dem Moor geborgenen Teile eines britischen Bombers gehören zu einer viermotorigen Lancaster, die am 5. Januar 1945 um 18.50 Uhr nach einem Luftkampf mit deutschen Nachtjägern in Edewechterdamm abgestürzt ist. Das Flugzeug mit der Seriennummer PB 526 (Code MG-N) hatte erst im September 1944 die Hallen des Flugzeugbauers Acro in Manchester verlassen. Das hat Olaf Timmermann aus Wardenburg herausgefunden. Er betreibt das private „Luftkriegsarvchiv Norddeutschland“.

Rolls-Royce-Motoren

Olaf Timmermann korrigiert damit Hinweise von Zeitzeuge Gerold Brumund aus Edewechterdamm, der – wie berichtet – den Absturz der Lancaster MK III auf den Winter 1943/44 datiert hatte. Nach den Recherchen Timmermanns war PB 526 zunächst an die 635. Squadron der Royal Air Force (RAF) ausgeliefert und im Dezember 1944 der 7. Squadron zugeteilt worden.

Die Maschine war ausgerüstet mit vier Rolls-Royce-Motoren des Typs „Merlin“. Jedes Triebwerk leistete gut 1640 PS. Eines dieser Triebwerke hatte Landwirt Reiner Broers aus Edwechterdamm in der letzten Woche beim Kuhlen auf einer moorigen Ackerfläche am Genossenschaftsweg in Edewechterdamm freigelegt.

Die Lancaster MK III PB 526 war nach Angaben Timmermanns um 16.28 Uhr (Ortszeit) in Oakingkton in England gestartet. Sie gehörte zu einem Verband von Flugzeugen, der zum nächtlichen Luftangriff auf Hannover unterwegs war. Insgesamt waren an dem Angriff 664 Maschinen beteiligt, darunter 340 viermotorige Halifax-Bomber, 310 Lancaster und 14 zweimotorige Mosquito-Bomber.

Bei diesem Großangriff gingen 33 RAF-Maschinen durch Nachtjäger und Flak-Beschuss verloren. Von den 242 Besatzungsmitgliedern wurden 121 getötet, 93 gerieten in Gefangenschaft, sieben flohen fliehen und überlebten. 21 Soldaten landeten in nicht besetzten Gebieten.

Drei Neuseeländer

Olaf Timmermann stützt sich bei seinen Nachforschungen auf deutsche und britische Archive. Nach Angaben des Luftgaukommandos XI ist PB 526 in der Luft explodiert und beim Aufschlag mit voller Bombenladung in Brand geraten. Deutsche Soldaten vom Fliegerhorst Bad Zwischenahn bargen Teile der Flugzeug-Trümmer in dem Moorgelände.

Olaf Timmermann konnte das Schicksal der getöteten siebenköpfigen Besatzung von PB 526 nachvollziehen. Vier der 19 bis 32 Jahre alten RAF-Soldaten waren Engländer, drei Besatzungsmitglieder stammten aus Neuseeland.

Die sterblichen Überreste von Pilot Louis Thomas Friedrich (25) aus Neuseeland und seiner Crew wurden zunächst in Bad Zwischenahn beigesetzt. Nach Kriegsende wurden sie dann auf den Soldatenfriedhof in Sage bei Ahlhorn überführt. Dort ruhen sie noch heute.