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NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Mysteriöse Unfallserie: Ein Blogger gegen Lamborghini

31.08.2015

Schortens /Berg (schweiz) Sebastian Constapel räuspert sich, gern wird er nicht an diesen Dienstag, den 1. März 2011, erinnert. Zusammen mit seiner Freundin ist der Schortenser am späten Abend in einem 200 000 Euro teuren Lamborghini Gallardo auf der Bundesstraße 210 im Bereich des Autobahnkreuzes Wilhelmshaven unterwegs. Urplötzlich bricht der 560 PS starke Bolide aus und knallt mehrfach in die Leitplanken. Die beiden Fahrzeuginsassen bleiben, vom Schock einmal abgesehen, unverletzt, aber vom geliehenen Luxussportwagen bleibt nur Schrott.

Constapel ist zum Unfallzeitpunkt 25 Jahre alt. Da kommt man schnell in Erklärungsnöte: junger Fahrer, viel zu viel PS, angeben vor der Freundin, mal ein bisschen zeigen, was die Karre kann, man kennt das ja... Das weist der Geschäftsmann weit von sich. Er sei absolut im Normalbereich gefahren, erinnert er sich, und er habe Erfahrung mit solchen Sportwagen gehabt. Bis heute kann er sich nicht erklären, was der Lamborghini da mit ihm veranstaltet hat. Constapels Aussage wird gestützt durch einen unbeteiligten Zeugen. Der schilderte den Unfall damals so: „Ich bin dem Fahrzeug entgegen gekommen, als der Unfall passierte. Es scheint mir suspekt, wie dieser Unfall passiert ist und unter welchen Voraussetzungen: trockene Fahrbahn, keine Minus-Grade, Fahrbahn in gutem Zustand.“

Kein Einzelfall

Constapels schockierendes Lamborghini-Erlebnis ist kein Einzelfall. Es sind 0,6 Sekunden, die am 4. Juli 2004 das Leben des Martin Gegenfurtner völlig verändern. 0,6 Sekunden – genauso lange dauert es, bis aus einem Traum ein Albtraum wird. So schnell nämlich bricht Gegenfurtners fast nagelneuer Lamborghini Murciélago auf der Autobahn 3 zwischen Regensburg und Passau aus – auf gerader Strecke, wenig Verkehr, trockene Fahrbahn. Der 640-PS-Bolide durchschlägt die Leitplanke, fällt danach zwei Bäume und bleibt schließlich völlig demoliert in einem Fichtenhain auf dem Dach liegen. Gegenfurtner überlebt – allerdings sehr schwer verletzt. Erst liegt er vier Tage lang im Koma, dann längere Zeit auf der Intensivstation. Er rappelt sich wieder auf und kann ohne gesundheitliche Spätfolgen weiterleben.

Doch seelisch hat er das Erlebte bis heute nicht verarbeitet. „Ich weiß, dass die Fahrer solcher Autos klischeehaft abgestempelt werden: alle viel zu schnell, alle viel zu riskant. Aber so war es nicht!“ Nachdem ihn ein Gericht vom Vorwurf der Verkehrsgefährdung freigesprochen hat, beginnt Gegenfurtner zu recherchieren. Sechs Monate später findet er an der Unfallstelle eine gebrochene Bremsscheibe seines Lamborghinis, die Polizei und Gutachter bei der Untersuchung des Unfallorts übersehen haben.

Gegenfurtner wendet sich an den Autobauer Lamborghini und dessen Muttergesellschaft Audi mit der Bitte um Unterstützung bei der Suche nach der Unfallursache. Sowohl im italienischen Produktionsort Sant’Agata Bolognese als auch in Ingolstadt reagiert man reserviert auf seine Initiative. Dann wird er immerhin in Begleitung eines Audi-Mannes nach Sant’Agata eingeladen. Aber mehr als Mitgefühl und Anteilnahme gibt es für ihn nicht.

Immer mehr Meldungen

Die meisten Menschen hätten spätestens da resigniert. Nicht aber Martin Gegenfurtner. Er richtet unter der Adresse www.lambounfall.de eine Homepage ein – und ist überrascht: Nach und nach trudeln immer mehr Meldungen über oft rätselhafte Unfälle mit Lamborghinis bei ihm ein. „Eine exorbitant hohe Anzahl gemessen an der Zahl der Zulassungen von Lamborghinis“, meint der 30-Jährige, und sieht schon darin einen Beleg für mögliche Fehler in der Konstruktion und bei Materialien der sündhaft teuren Autos.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer BILD: dpa
Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer BILD: dpa

Experte Dudenhöffer: Autofirmen Mit Rückrufaktionen sehr zurückhaltend

Rückrufaktionen sind bei Autoherstellern nicht unbedingt die erste Wahl, wenn es um technische Probleme geht, sagt der Automobilexperte Professor Dr. Ferdinand Dudenhöffer (Universität Duisburg-Essen). Erst recht nicht, wenn es sich um Fahrzeuge aus dem Luxussegment handelt. „Das kostet viel und ist schlecht fürs Image.“ Bei nur vagen oder diffusen Hinweisen würden Autoproduzenten in der Regel selbst dann davon absehen, wenn am Verdacht tatsächlich etwas dran sein könnte.

In den USA sind jedoch im Jahr 2012 rund 1500 Lamborghinis verschiedener Modellreihen ab Baujahr 2003 zurück in die Werkstatt beordert worden. Der Grund: Verdacht auf akute Brandgefahr. Dass die selben Modelle in Europa seit 2012 ohne Werkstattbesuch weiter unterwegs sein durften, führt Dudenhöffer auf ein unterschiedliches Produktionshaftungsrecht in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Europa zurück. „Das ist in den USA ungleich schärfer, da wird die Beweispflicht kurzerhand umgedreht“, erläutert er. Will heißen: Schon bei der Vermutung eines sicherheitsrelevanten Produktionsfehlers, auf den der Hersteller nicht reagiert, drohen millionenschwere Schadensersatzklagen. Und die seien, so der Autoexperte Dudenhöffer, möglicherweise noch schädlicher fürs Image.

Auch Sebastian Constapels Aussagen bestärken den Blogger in seiner Überzeugung, dass mit den Lamborghinis etwas nicht stimmt. „Nach solchen Unfallserien würden andere Autohersteller ihre Fahrzeuge in die Werkstatt rufen, um sie durchzuchecken. Lamborghini tut gar nichts“, kritisiert er. Unverständlich ist für ihn auch, dass die Muttergesellschaft Audi nichts unternimmt.

Dabei hätte sie seiner Meinung nach Grund genug dafür: Auch einige Fahrzeuge von Audis Prestigemodell R 8, das mit einem Zehn-Zylinder-Motor von Lamborghini bestückt ist, seien aus ungeklärten Gründen plötzlich und rasend schnell in Flammen aufgegangen. Als Ursache für die vielen Feuer, die vor allem im Sommer auftraten, würden „Konstruktionsfehler im Motorraum“ vermutet. So gerate beispielsweise Sprit auf den heißen Kat. Gegenfurtner: „Die hätten ihre Autos längst in die Werkstatt beordern müssen.“

Keine Erklärung

Supersportwagen sind fahrende Anachronismen: unsinnig schnell, unanständig teuer, völlig unpraktisch und obendrein sehr umweltbelastend. Wenn’s dann mal kracht, sind selbst Gutachter schnell mit Urteilen bei der Hand: menschliches Versagen, die Fahrer sind überfordert. Vor allem dann, wenn sie jung und unerfahren sind, so das häufige Ergebnis der Expertisen.

Für Sebastian Constapel und Martin Gegenfurtner ist das bis heute keine akzeptable Erklärung für ihr persönliches Horror-Erlebnis. Der Blog wird deshalb weiter bestehen – und wohl immer neue Lambo-Debakel aufreihen...


     www.lambounfall.de 

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Thomas Haselier / Archiv
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