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NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Rettung: Ein Flügelschlag in die Freiheit

11.07.2012

FRIESOYTHE Kreisrund und tiefgelb ist das Augenpaar, das die Menschen fixiert. Wie eine Katze vor dem Sprung harrt der Fischadler aus. Klaus Meyer drückt den Greifvogel an sich. Seine Hände stecken in dicken Lederhandschuhen, er hat die Fänge des Tieres fest im Griff.

Sechs Wochen lang war der verletzte Fischadler in seiner Obhut. Der Leiter der Wildtierauffangstation Rastede päppelte das schwer verletzte Tier wieder auf. „Als er zu uns kam, sah es gar nicht gut aus“, erzählt Meyer. Das Tier hatte sich an den Ahlhorner Fischteichen in einem Abwehrnetz gegen Kormorane und Graureiher verfangen und kämpfte mit dem Tod. „Er lag nur da, hatte sich stranguliert und einen Bluterguss am Flügel“, erzählt Meyer.

Der weiße Kastenwagen der Wildtierstation fährt an diesem Dienstagmorgen in Richtung Deich an der Thülsfelder Talsperre. Einige Wagen folgen ihm. Ein Fischadler ist ein Ereignis; es gibt nicht viele von ihnen in der Region. Elf Paare wurden in ganz Niedersachsen gezählt. Die Kolonne stoppt an einer Schranke – hier beginnt das Naturschutzgebiet.

Aus Celle angereist

„Wir haben eine Stelle gesucht, an der der Adler gleich aufbaumen kann, und wo er seine Ruhe hat“, erklärt Eckehard Bühring von der Staatlichen Vogelschutzwarte Niedersachsen. Er ist heute aus Celle angereist. Auf drei Jahre schätzt der Experte das Alter des Fischadlers. Ob es sich um ein Männchen oder ein Weibchen handelt, kann er nicht erkennen, aber oft seien es die Weibchen, die neue Gebiete erschließen. „Das muss ein DNA-Test noch zeigen, mit dem Ergebnis rechnen wir in zwei Wochen“, sagt er.

1992 gab es die erste Wieder–Ansiedelung des Fischadlers im Kreis Soltau. „1996 gab es dann schon drei Paare. In den Jahren darauf hat sich der Bestand weiter vergrößert, in diesem Jahr hatten wir 25 bis 27 Jungvögel“, sagt Bühring. Im September werden sie nach Afrika ziehen. Mit ein bisschen Glück kommen sie im nächsten Frühjahr nach Niedersachsen zurück.

Die Kolonne hat ihren Weg entlang des Deiches fortgesetzt und hält schließlich an. Klaus Meyer öffnet die Wagentür und steigt ein. Behutsam greift er in einen Pappkarton und umschließt den Fischadler fest mit den Armen. Der krumme, spitze Schnabel sieht gefährlich aus, aber der Vogel leistet keinen Widerstand. Die Schafe am Deich blöken und ein paar Spaziergänger bleiben neugierig stehen, als der Wildtierspezialist mit seinem Schützling den Deich hochgeht.

An den Fängen des Adlers wurden zwei unterschiedliche Ringe angebracht. Ein silberfarbener ist von der zuständigen Vogelwarte Helgoland, ein blauer ist das individuelle Erkennungszeichen des Fischadlers, erklärt Meyer. Vielleicht, so hofft er, taucht sein Schützling ja irgendwann noch einmal auf.

Zwei bis dreimal am Tag wurde der Fischadler über eine Sonde gefüttert, seine Wunden versorgte ein Oldenburger Tierarzt. Der verletzte Flügel musste ruhiggestellt werden. „Wir haben ihn so gut gefüttert, dass er am Ende schon gar keinen Fisch mehr sehen konnte“, sagt Meyer. Melancholisch sei er heute nicht. Verständlich, schließlich muss er sich im Jahr um rund 1500 Wildtiere kümmern.

Er hofft, dass sein Patient an der Thülsfelder Talsperre einen neue Heimat findet, und vor allem nicht gleich wieder an die Ahlhorner Teiche zurückkehrt. „Wir sind dabei, das Problem zu lösen, so das nichts mehr passieren kann“, verspricht Jörn Schöttelndreier, Waldökologe beim Forstamt Ahlhorn, der sich das Ereignis ebenfalls nicht entgehen lassen wollte.

Der Fischadler ist ein anspruchsvoller Zeitgenosse und deswegen nicht ganz problemlos in Niedersachsen anzusiedeln. „Er braucht einen Baum, der die normale Vegetation überragt“, erklärt der Celler Vogelexperte Eckehard Bühring. „Anders als der Seeadler, der auch andere Tiere frisst, besteht die Nahrung des Fischadlers zu 95 Prozent aus Fisch, und er hat auch mehr Fressfeinde“, erklärt Bühring. Verständlicherweise ist das Tier nicht bei allen Teichwirten beliebt. Verglichen mit Kormoranen oder Reihern sei der Verlust durch Adler allerdings verschwindend gering.

Im Wald verschwunden

Klaus Meyer hebt beide Arme und lockert den Griff. Sofort streckt der Fischadler die Flügel aus und schwingt sich in Sekundenschnelle in die Luft. Mit ruhigen Flügelschlägen überquert er das Wasser in Richtung Wald. Der Greifvogel macht noch einen Schwenker nach links, dann verschwindet er am Horizont.

„Fliegt er jetzt schon wieder nach Ahlhorn?“ fragt jemand besorgt. „Nein“, sagt Jörn Schöttelndreier, „Ahlhorn ist eine ganz andere Richtung.“

NWZTV zeigt einen Beitrag unter http://www.NWZonline.de/nwztv

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