Garrel - An zwei Stränden bietet die Thülsfelder Talsperre an heißen Sommertagen gute Gelegenheit für eine kühlen Sprung ins Wasser. Gebrauch gemacht wird davon reichlich, wie auch der vergangene Mittwoch wieder zeigte, als sich Hunderte Wasserratten und Sonnenanbeter an den Stränden tummelten. Doch vor allzu gewagten Sprüngen in die Talsperre rät aber die Ortsgruppe Garrel der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ab.
„Wir möchten besonders auf eine Gefahrenstelle hinweisen“, so Simon Sander, Pressebeauftragter bei der DLRG: Denn regelmäßig würden Badende vom Steg zwischen den Stränden in das flache, schlecht einsehbare Wasser springen. Simon Sander warnt: „Es besteht eine erhebliche Verletzungsgefahr“.
Im Rahmen des Wasserrettungsdienstes, den die DLRG Garrel während der Sommermonate an den Stränden durchführt, weisen die ehrenamtlichen Rettungsschwimmer nach Möglichkeit Badende vor Ort auf Gefahren hin. Die DLRG warnt, dass die meisten Badeunfälle mit Querschnittslähmungen sich im August ereignen. Nicht selten ende der Kopfsprung ins Wasser im Rollstuhl.
Weit mehr als 1800 hohe Querschnittslähmungen – vom Hals abwärts – durch Badeunfälle registrierte Professor Dr. Hans Jürgen Gerner, emeritierter Direktor der Heidelberger Universitätsklinik für Orthopädie II, seit dem Jahr 1976. Allein seit 2012 sind es 203 Fälle akuter hoher Querschnittslähmungen infolge von Stürzen oder Sprüngen ins Wasser.
„Nahezu 100 Prozent der Unfallopfer waren junge Männer im Alter zwischen 16 und 25 Jahren, als es passierte“, analysiert der Orthopädieprofessor die Situation. Er sei besorgt über die hohe Zahl der Patienten, die durch einen Kopfsprung in unbekanntes Gewässer verunglückten. Den Übermut der jungen Menschen fasst Gerner zusammen: „Die Jungs sind offenbar der Auffassung, eine sogenannte Arschbombe sei doch Mädchensache, es muss schon der elegante Köpper sein.“ In 40 Prozent der Fälle spiele zudem Alkohol eine große Rolle.
Das ist nur die Spitze des Eisberges. „Durch Ertrinken infolge von Stürzen ins Wasser sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in einem Zeitraum von sechs Jahren rund 400 Menschen ums Leben gekommen. 80 Prozent aller Todesfälle und Querschnittslähmungen hätten verhindert werden können, sagt Achim Haag, Vizepräsident der DLRG.
Ursächlich für hohe Querschnittslähmungen bei Stürzen und Sprüngen ins Wasser ist in den meisten Fällen eine Fraktur der Halswirbel, die das Rückenmark verletzt, zerreißen lässt. Die meisten Patienten verunglückten in einem Binnengewässer. Der unfallträchtigste Monat ist der August, gefolgt vom Juli.
„Das Einzige, was hilft, ist eine breit angelegte Aufklärungskampagne, die die jungen Menschen von diesem riskanten Tun abhält und ihnen die Lebensperspektiven erhält“, sind sich der Orthopädieprofessor und der DLRG-Vizepräsident einig. Dazu geben sie auch Tipps.
