Im Nordwesten - Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, was alles binnen 15 Sekunden möglich wäre? Sie könnten beispielsweise vom Sofa in die Küche gehen, schauen was der Kühlschrank hergibt und wieder zurückkehren – wenn Sie schnell sind. Vielleicht ja auch kurz im Keller oder Waschraum prüfen, wie lange der Schleudergang noch läuft. Möglicherweise könnten Sie aber auch plötzlich einen ungebetenen Gast auf der Matte stehen haben.
Etwa diese Zeit benötigen Kriminelle nämlich nur, um mit dem richtigen Werkzeug und wenigen Handgriffen in fremde Wohnungen beziehungsweise Häuser einzusteigen. Voraussetzung ist lediglich die freundliche „Unterstützung“ der Bewohner in Form eines gekippten Fensters.
Wertvolle Nachbarn
Nun werden Menschen, die für einen längeren Zeitraum verreisen, wohl kaum ein Fenster geöffnet lassen. Dürfen sie sich deshalb besonders sicher fühlen? Jein. Carsten Vogt, Beauftragter für Kriminalprävention (BfK) bei der Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt/Ammerland, hält einen 100-prozentigen Einbruchschutz ohnehin für illusorisch. Seine Kollegin Simone Hemken von der Inspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch glaubt aber, dass vor allem aufmerksame Nachbarn die Sicherheit erhöhen und potenzielle Langfinger abschrecken können.
Wenn Hemken Vorträge hält, nennt sie unter dem Punkt „Sicherheit, die kaum Geld kostet“, Beispiele wie: Briefkasten leeren, Gartenpflege, Mülltonnen bedienen. Aufgaben eben, die Nachbarn problemlos übernehmen können, um ein Haus oder eine Wohnung bewohnt aussehen zu lassen.
Voraussetzung ist natürlich, dass sich die Menschen kennen und vor allem auch wissen, wenn die benachbarten Anwohner weg sind. Diese Informationen sollten laut Vogt und Hemken aber keinesfalls mit einer Ansage auf dem Anrufbeantworter oder über Bilder in den sozialen Medien, sondern im persönlichen Gespräch mitgeteilt werden.
Stadt-Land-Vergleich
„Die Menschen sollten sich um eine gute Nachbarschaft kümmern“, rät Vogt deshalb. Er kenne zwar keine Zahlen, die seine Vermutung stützen, geht aber von intensiveren Kontakten im ländlichen Raum aus. Hemken meint in diesem Zusammenhang: „Auf dem Land kennt man sich deutlich besser als in der Stadt!“
Die weit verbreitete Überzeugung, dass Licht die Einbrecher in jedem Fall in die Flucht triebe, möchte sie mit Blick auf die Stadt-Land-Unterschiede aber nur bedingt teilen. Für eine dicht besiedelte Gegend möge diese Vermutung in der Regel zwar zutreffen. Auf abgelegenen Grundstücken freuten sich die Kriminellen hingegen, „wenn ein Lichtkegel die Umgebung erhellt und weit und breit niemand da ist, der den Einbruch bemerkt“, sagt Hemken.
0,000003 Einbrüche
Statistiken unter anderem der PI Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch zeigen übrigens, dass die Anzahl der Einbrüche in den vergangenen zehn Jahren eher ab- als zugenommen hat. In Hemkens Bereich etwa kam es 2022 pro Tag und Einwohner zu 0,000003 Einbrüchen – die zudem längst nicht alle erfolgreich waren, weil es in vielen Fällen nur beim Versuch blieb.
Nach Einschätzung von Vogt bleiben mittlerweile rund 50 Prozent der begonnenen Taten ohne den erhofften Erfolg. Das liege unter anderem an der Aufmerksamkeit der Nachbarn.
Sollten diese einen Einbruch bemerken, helfen am besten eine schnelle Kontaktaufnahme mit der Polizei und laute Rufe in Richtung der Täter. Den Helden oder Hilfspolizisten sollten Nachbarn nicht spielen, warnt Hemken – auch wenn die meisten Gelegenheitsdiebe ihren Erfahrungen nach im Falle einer direkten Konfrontation die Flucht ergreifen.
Was Sie tun können, um den Einbruchschutz zu erhöhen, erfahren Sie unter www.k-einbruch.de.
