Rastede - Ein schwerer Verkehrsunfall, ein eingeklemmter Insasse – ein Fall für die Feuerwehr: Wenn Personen aus einem Fahrzeug befreit werden müssen, zählt in der Regel jede Sekunde. Deshalb kommt es auch äußerst selten vor, dass die Einsatzkräfte vor Ort zum großen Gerät greifen und erst einmal aufwendig das Fahrzeug-Dach entfernen. Aber welche Rettungsmethode ist im Ernstfall eigentlich wann und warum die passende? Unsere Redaktion hat den Feuerwehrleuten des Kreisfeuerwehrverbandes Ammerland während einer Übung über die Schulter geschaut. Schnell wurde dabei klar: Jede Methode hat Vor- und Nachteile. „Eine geeignete Variante für alle Unfälle gibt es nicht“, betont ein Teilnehmer. Vielmehr sei die passende Technik vor allem abhängig von den Verletzungen der eingeklemmten Personen.
Kettenrettung
Bei der Kettenrettung zieht ein Feuerwehrfahrzeug mit eingebauter Seilwinde die verformte Karosserie eines Fahrzeugs mit Ketten auseinander. Diese Variante wird auch „Oslo-Methode“ genannt, da sie vor allem in Skandinavien das bevorzugte Mittel ist. Dort stehen aufgrund der riesigen Landesflächen und langen Anfahrtswege zum Unfallort im Zweifel wenig Einsatzkräfte zur Verfügung – die Bergung der Unfallopfer muss aber trotzdem gelingen.
Der große Vorteil dieser Methode ist nach Einschätzung des Kreisfeuerwehrverbands Ammerland, dass eine trainierte Gruppe eine eingeklemmte Person sehr schnell befreien kann. Allerdings besitzt im Nordwesten nicht jede Feuerwehr ein Fahrzeug mit Seilwinde. Der Nachteil der Kettenrettung ist, dass sie viel Platz benötigt und aufgrund der immensen Kraftwirkung eine zweite Kette an einem soliden Gegenpunkt (Bäume, Brückenpfeiler) befestigt werden muss. Zudem ist diese Technik im Vergleich zu anderen Methoden für die eingeklemmte Person nicht sehr schonend.
Hier erfolgt die Kettenrettung über die Beifahrer-Seite. Bild: Jens Gerdes
Crossramming
Beim Crossramming hat nicht die Befreiung einer Person aus dem Auto oberste Priorität. Vielmehr soll diese Methode einem Unfallopfer in erster Linie Lebensraum und Platz zum Atmen verschaffen, wenn beispielsweise nach einer Frontalkollision das Lenkrad auf den Brustkorb drückt. Dies gelingt mit speziellen Hydraulik-Stempeln oder Spreizern, die das Fahrzeug an der entsprechenden Stelle verformen.
Durch das Crossramming können sich Einsatzkräfte ohne Umwege unverzüglich um die relevante Entklemmung der Unfallopfer kümmern, auch wenn die Stempel oder Spreizer dafür in unmittelbarer Nähe zur Person angesetzt werden müssen. Der Vorteil ist, dass Einsatzkräfte diese Methode sehr schnell umsetzen können und im Vergleich zur Kettenrettung wenig Platz benötigen. Gleichzeitig kann das Crossramming aber auch nur eine vorbereitende Maßnahme für die eigentliche Befreiung einer eingeklemmten Person aus dem Wrack sein.
Tunneln
Heckklappe öffnen, Rückbank umlegen und die eingeklemmte Person irgendwie auf einem sogenannten „Spineboard“ befreien: So verläuft im Idealfall das Tunneln – das die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten und vor allem viel Geschick der Einsatzkräfte erfordert. Denn viel Platz ist in einem zusammengestauchten Fahrzeug üblicherweise nicht vorhanden.
Trotzdem ist das Tunneln bei allen Fahrzeugen unabhängig von deren Größe und Gewicht möglich. Das Spineboard gewährleistet zudem, dass eine eingeklemmte Person trotz einer möglichen Wirbelsäulenverletzung möglichst schonend befreit werden kann.
Beim Tunneln kann es eng werden. Bild: Jens Gerdes
