An diesem Sonntag feiert die Freiwillige Feuerwehr Ganderkesee ihr 100-jähriges Bestehen. Mein heutiger Gesprächspartner war bei der Feuerwehr Ganderkesee viele Jahre aktiv und das in verantwortlicher Position. Von 1968 bis 1981 war er stellvertretender und von 1981 bis 1985 Ortsbrandmeister. Anschließend amtierte er zwölf Jahre als Gemeindebrandmeister. Die Rede ist von Rolf Wieting. Um allen Fragen vorzubeugen: Wir haben zwar denselben Namen, aber verwandt sind wir nicht.
1937 wurde Rolf Wieting geboren und lebte mit seinen Eltern in Ganderkesee an der Urneburger Straße. In dieser Zeit war die Straße Spielplatz der Kinder – heute wäre das undenkbar. Aber die Kindheit von Rolf Wieting war auch geprägt durch den Zweiten Weltkrieg. Auf dem Heimweg von der Schule wurden er und seine Mitschüler beinahe von einem Tiefflieger beschossen. Gerade noch rechtzeitig bemerkten sie den drohenden Angriff und brachten sich in letzter Minute in Sicherheit. „Wir waren zu schnell“, erzählt Rolf Wieting.
Sein Vater Hermann Wieting war vor dem Krieg noch selbstständiger Tischler, danach unter anderem bei Firma Weyhausen angestellt. Seine Mutter Anni war Schneiderin. Gerne wäre Rolf Autoschlosser geworden. Weil aber viele Jungen diesen Beruf lernen wollten, gab es nicht genügend Lehrstellen. Stattdessen wurde ihm eine Ausbildung zum Maler angeboten. „Besser als nichts“, sagte er sich und ging 1954 in die Lehre bei Malermeister Oswald Harlos. In den ersten vier Wochen war seine Arbeitszeit von 7 bis 18 Uhr und das von Montag bis Sonnabend. Dann schaltete sich sein Vater ein: Sein Sohn müsste dringend zum Friseur, aber durch die lange Arbeitszeit wäre das ja nicht möglich. „Von da an mussten wir sonnabends ,nur‘ bis 12 Uhr arbeiten“, erinnert sich Rolf.
Obwohl er eher zufällig zum Beruf des Malers gekommen war, gefiel ihm diese Arbeit. Nach der Ausbildung wechselte er zunächst für ein halbes Jahr als Malergeselle nach Bremen, bevor er in Ganderkesee bei Johann Fink anfangen konnte. Der war ein leidenschaftlicher Feuerwehrmann und zu dieser Zeit Kreisbrandmeister. Da es im Winter nicht so viel Arbeit gab, schickte Fink seine Gesellen kurzer Hand zur Feuerwehrschule nach Loy im Ammerland. Einem Johann Fink zu widersprechen, wagte keiner – auch Rolf Wieting nicht. Bis dahin war ausschließlich Sport wie Handball und Turnen seine Leidenschaft gewesen. Heute ist Rolf Fink dankbar, denn ohne seinen Chef wäre er wohl nicht zur Feuerwehr gekommen.
Am 1. November 1957 trat Rolf Wieting in die Feuerwehr ein und machte schnell Karriere. Als Gemeindebrandmeister stand er oft zwischen den Stühlen, wie er mir berichtet. Einerseits verlangten die Ortsfeuerwehren bessere Bedingungen bei den Fahrzeugen und den Gebäuden. Andererseits musste er das bei der Gemeindeverwaltung durchsetzen. Gerne erinnert Rolf sich an zum Teil lebhafte Diskussionen mit Gemeindedirektor Heinz Huhs und später Gerold Sprung. „Anfangs bin ich bei Heinz Huhs mit meiner Meinung in das Gespräch mit ihm gegangen und mit seiner Meinung wieder herausgekommen.“
„Welchen Feuerwehreinsatz wirst du nie vergessen?“, frage ich ihn. „Den Brand im Krankenhaus in Stenum“, antwortet er spontan. „Wir hatten einige Opfer zu beklagen, die wir nicht mehr retten konnten.“ 1997, im Alter von 62 Jahren, schied Rolf aus dem aktiven Feuerwehrdienst aus. Viele Jahre hat er die Feuerwehr in Ganderkesee und der Gemeinde geprägt.
Doch nicht allein die Feuerwehr prägte seine Freizeit – sondern ebenso der Fasching. Seit 1953 lief er bei jedem Umzug mit. Und auch hier wollten die Verantwortlichen auf seinen Rat nicht verzichten. 23 Jahre war Rolf Wieting Vizepräsident der GGV, außerdem Mitbegründer des Bühnenaufbaukommandos. Ebenfalls unvergessen sind viele seiner Auftritte als Büttenredner oder in der Gruppe „Die Ringtauben“, wo er unter anderem mit Ehefrau Marianne und Tochter Petra gemeinsam auf der Bühne stand.
Sowohl bei der Feuerwehr als auch beim Fasching war für Rolf Wieting immer eines wichtig: Dass neben der Arbeit die Geselligkeit nicht zu kurz kommt. Noch heute pflegt er Freundschaften aus seiner aktiven Zeit bei der Feuerwehr und beim Fasching. Sehr gerne unternimmt er mit ihnen Reisen. Allerdings fährt er immer wieder gerne zurück nach Ganderkesee, wo Haus und Garten auf ihn warten.
