Oldenburg/Kiel - Für Ninja Henke und Daniel Birkenfeld kam der Schock drei Tage nach der Geburt ihres Babys: Die winzige Anne hatte einen schweren Herzfehler, wie in der Praxis des Kinderkardiologe Dr. Rainald Motz festgestellt wurde. Der Baby-Intensiv-Krankenwagen brachte die Kleine anschließend in die Kinderklinik und einen Tag später wurde sie mit dem Hubschrauber zu den Spezialisten ins Kinderherzzentrum nach Kiel geflogen.

Seither hat sich das Leben von Ninja Henke (24), die einen Abschluss als Fremdsprachenkorrespondentin an der BBS Wechloy gemacht hat, und Daniel Birkenfeld (28) komplett verändert. „Mir hat es den Boden unter den Füßen weggezogen“, berichtet sie. Die jungen Eltern fuhren mit dem vom Schwager geliehenen Auto nach Kiel und suchten sich eine 20 Kilometer entfernte Ferienwohnung, um ihr Baby jeden Tag besuchen zu können. Das nahe der Klinik gelegene Ronald-McDonald-Elternhaus ist nach Angaben der beiden zunächst ausgebucht gewesen. Später habe man dort nicht mehr wohnen wollen. So gibt es nach Auskunft der Kinderhilfe-Stiftung auch jetzt noch dort ein freies Apartment.

Nur sieben Tage nach der Geburt am 21. Februar im Evangelischen Krankenhaus war das Baby in Kiel am offenen Herzen operiert worden. Die Spezialisten sprechen von einem Hypoplastischen Linksherz-Syndrom (HLHS). Laienhaft ausgedrückt: Das Baby hat zwar zwei Herzkammern, die jedoch nur wie eine große pumpen. Diese Fehlbildung sei weder während der Schwangerschaft noch bei der Geburt entdeckt worden, berichtet Ninja Henke. Ohne die Operation hätte das Baby keine Überlebenschance gehabt.

Nächste Woche muss Anne ein zweites Mal operiert werden. Inzwischen ist sie fünf Zentimeter gewachsen und 56 Zentimeter lang. Fast zwei Kilo hat sie zugenommen und wiegt 4842 Gramm. Die Eltern gehen davon aus, dass sie noch fünf Wochen in Kiel bleiben müssen.

Finanzielle Sorgen bedrücken sie. Die DAK zahlt nach Angaben von Ninja Henke 50 Euro pro Nacht für die Ferienwohnung, in der die beiden mit Daniel Birkenfelds dreijährigem Sohn aus erster Ehe wohnen. „Wir müssen das Spritgeld für die Fahrten zur Klinik und die Kurtaxe selbst aufbringen“, sagt die junge Mutter, die von Arbeitslosengeld II lebt. Die Krankenkasse übernimmt nach Angaben der Frau nur die Kosten für eine Hin- und Rückfahrt nach Kiel. Aber der Sohn ihres Mannes wolle ja auch seine Mutter sehen. Überdies seien sie in Oldenburg Anfang April in eine Wohnung umgezogen, für die sie 750 Euro Miete zahlen müssten.

Den Schock, dass das vom Schwager geliehene Auto auf einer Rückfahrt nach Oldenburg mit einem Motorschaden liegenblieb, linderte das Angebot des Autohauses Schäuble, das ihnen ein Auto zur Verfügung stellte.