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NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Von hier wird die Ems überwacht

24.07.2019

Emden Wie ein klobiger Schuhkarton schiebt sich ein großer Autofrachter über den Fluss in Richtung Emden. Klein wie ein Buddelschiffchen wirkt das entgegenkommende Motorboot. Aus der Ferne sieht es nach einem baldigen Zusammenstoß aus, doch der Beobachter am Radarschirm bleibt ungerührt: „Da ist noch jede Menge Platz“, sagt der Nautiker im Kontrollraum an der Emsmündung.“ Wir haben hier alles im Blick, auch bei Dunkelheit und Nebel“, beschreibt Amtsleiterin Petra Müller die Aufgaben der Verkehrszentrale Ems an der Knock.

Weithin sichtbar ist die turmartige Anlage auf der deutschen Seite des Flusses. Die Aufbauten mit mehreren Plattformen und der Kuppel für das Wetterradar ähneln denen eines Schiffes. Im Betriebsgebäude nebenan überwachen 16 Nautiker und 14 Techniker rund um die Uhr den Seeverkehr. Große und kleine Pötte sind ständig zum niederländischen Eemshaven oder zum ostfriesischen Emden und weiter nach Leer oder Papenburg unterwegs. Und da ist ganz schön viel los: „2018 haben sich bei uns 21 949 Schiffe an- oder abgemeldet, das sind 60 Schiffe pro Tag“, sagt Müller.

In der Verkehrszentrale laufen Nachrichten aus Funkgeräten, Pegeldaten zu den Wasserständen, Infos zum Wetter sowie Bilder von sechs Radarstationen zwischen Borkum und Emden ein. Für die Technik von der Energieversorgung bis zur Kommunikation ist Peter Aggen zuständig, der sich auch um zwei Radaranlagen auf der niederländischen Seite kümmert: „Das ist alles vertraglich geregelt, denn wir haben hier auf der Ems eine rechtliche Sondersituation“, sagt er.

Grenzverlauf unklar

Tatsächlich ist der genaue Grenzverlauf an der Emsmündung zwischen Deutschland und den Niederlanden seit Jahrhunderten nicht festgelegt – bis heute. Stattdessen werde „im Geiste guter Nachbarschaft“ zusammengearbeitet, heißt es seit 1960 in mehreren Verträgen. Alle praktischen Fragen wie die Zufahrt zu den Seehäfen oder die Suche und Ausbeutung von Bodenschätzen wie Erdgas sind in Zusatzabkommen geregelt. Das umfasst neuerdings auch den Bau von Windparks auf See. Es gibt sogar eine eigene Schifffahrtsordnung Emsmündung, die die Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung und die internationalen Kollisionsverhütungsregeln ergänzt.

Zu schnell unterwegs

Müller und ihre Kollegen nehmen daher auch Aufgaben der Schifffahrtspolizei wahr: „Der Klassiker sind Verkehrsverstöße, wenn etwa Schiffe zu schnell fahren und damit Sog- und Wellenschlag auslösen“, sagt Müller. Schwerer wiegt noch Sprachlosigkeit an Bord, wenn etwa ein Schiff nicht per Funk erreichbar ist.

Nicht erreichbar war etwa der Skipper einer Segelyacht, die im Mai in der Ems trieb. Seenotretter aus Deutschland und den Niederlanden machten sich per Schiff, Flugzeug und Hubschrauber auf die Suche nach dem Mann, der offensichtlich über Bord gegangen war. Nach mehreren Stunden und vier Kilometern Schwimmen in der 12 Grad kalten Nordsee erreichte der Segler schließlich das deutsche Ufer. „Ein besonderer Fall“, sagt Aggen, „sonst treibt eher mal ein Surfer hier ab oder ein Segelboot strandet auf einem Leitdamm.“

Mit Blick auf die Zukunft machen sich Aggen und Müller auch Gedanken über autonomes Fahren – aber auf dem Wasser: Eines Tages werden auch Schiffe möglicherweise mit vernetzter Technik ohne Besatzung unterwegs sein. „Das sind spannende Visionen“, sagt Aggen. „Aber es wird irgendwann kommen, und dann wird sich auch die Arbeit hier verändern.“

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