Augustfehn Ii - „Ich bin froh, dass unsere Tochter mit uns unterwegs und nicht im Haus war“, sagt Karin Graalmann-Junker. Sie steht in ihrem ehemaligen Heim an der Stahlwerkstraße. Fliesen und Laminat im Erdgeschoss sind von einer schmierigen Rußschicht überzogen. Die Tapeten lösen sich von den Wänden. Eine Etage darüber ragen verkohlte Dachstuhlstümpfe in den wolkenverhangenen Himmel über Augustfehn II.

Montag, 1. Juli: Familie Graalmann fährt nach Remels, um dort etwas zu erledigen. Rund eine halbe Stunde später, bei ihrer Rückkehr, ist nichts mehr so, wie es vorher war. Ihr 1997 erbautes Einfamilienhaus brennt. Auslöser: ein technischer Defekt an der elektrischen Verkabelung in der Zwischendecke zum Spitzboden, wie ein Sachverständiger später feststellt.

„Die Straße war gesperrt, und wir haben die Feuerwehrfahrzeuge gesehen“, berichtet Heino Graalmann. „Die Polizei hat uns dann durchgelassen.“ Hilflos sehen das Ehepaar und seine 13-jährige Tochter Lea zu, was Flammen und Löschwasser anrichten. Ein kleiner Trost: Familienhund Danny ist von Nachbarn gerettet worden.

Karin Graalmann-Junker wirkt tapfer, während sie im Unglückshaus die Treppe nach oben steigt. „Ich war ja schon ein paar Mal im Haus. Wir haben Kleidung und Leas Spielsachen rausgeholt.“

Doch vieles ist verloren – vor allem Erinnerungsstücke, die auf dem Dachboden lagerten. „Ich hatte für unsere Tochter eine Kiste gepackt. Ihr erster Strampler und das erste Jäckchen waren beispielsweise dort drin. Das ist alles weg“, sagt die 42-jährige Mutter. Ihr Mann ergänzt: „Die Fotos meiner Eltern sind vernichtet. Und viele Unterlagen und Dokumente. Was das Feuer nicht geschafft hat, hat das Wasser geschafft.“

Auch Heino Graalmann wirkt recht gefasst. Es nütze ja nichts, sagt er, es müsse weitergehen. Er ist voller Tatendrang. Sobald von der Versicherung erstes Geld gekommen ist, will der Handwerker den Dachstuhl erneuern, damit Wind und Wetter nicht noch mehr Unheil anrichten können. Der 46-Jährige ist zuversichtlich, zügig anfangen zu können.

Die Graalmanns samt Boxer Danny leben jetzt in der unmittelbaren Nachbarschaft. Ein im Ausland arbeitender Bekannter hat ihnen seine vollständig möblierten Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. „Wir sind so dankbar dafür. Schon am Tag nach dem Feuer konnten wir einziehen“, erzählt Heino Graalmann. Wie lange die Familie auf diese Unterstützung angewiesen sein wird, weiß sie noch nicht. „Es wäre schön, wenn wir Weihnachten wieder in unserem eigenen Haus unter dem Baum sitzen könnten“, sagt Karin Graalmann-Junker mit fester Stimme.

Kerstin Buttkus
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