Hannover - Nach den tödlichen Schüssen eines Polizisten auf einen nackten Messerstecher ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der vorsätzlichen Tötung. Am Montag sollten Gerichtsmediziner die Leiche des Angreifers untersuchen. Dieser hatte am Sonntag mit einem Messer auf einen am Boden liegenden Polizisten eingestochen. Der Beamte wehrte sich mit Pfefferspray, konnte den Mann damit aber nicht stoppen. Sein Kollege feuerte daraufhin mehrmals mit seiner Dienstwaffe.
Hintergrund: Messerstecher in Rostrup von Polizei erschossen, Nordwest-Zeitung, 2. Februar 2015
„Es gibt starke Indizien dafür, dass das ein Fall von Nothilfe war“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Carolin Castagna, in Oldenburg. Beide Polizisten sind nach Angaben der Polizeidirektion zurzeit krankgeschrieben. Der 31 Jahre alte Angreifer hatte einen der Beamten mit dem Messer an Arm und Händen verletzt. Die Ermittler wollen nun Zeugen zu dem Vorfall in einem Mehrfamilienhaus in Bad Zwischenahn (Kreis Ammerland) befragen und Spuren auswerten. Das Ergebnis wird voraussichtlich in einigen Wochen vorliegen.
Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) forderte, Elektroschockpistolen auch bei der Streifenpolizei in Niedersachsen einzuführen. „Der Fall zeigt, dass man Distanzwaffen unterhalb der Schusswaffe braucht“, sagte der Landesvorsitzende Thomas Kliewer. Bisher sind diese nur für das Spezialeinsatzkommando erlaubt. Die meisten Gewaltdelikte passierten jedoch im Streifendienst.
Das niedersächsische Innenministerium lehnt Elektroschocker für alle Polizisten wegen des hohen Trainingsaufwands dagegen ab. Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht die sogenannten Taser kritisch. Diese würden keine hundertprozentige Sicherheit geben, da die Technik ebenfalls versagen könnte, teilte der Landesvorsitzende Dietmar Schilff mit. „Eine allgemeine Einführung für den Einsatz- und Streifendienst halten wir im Moment für nicht angezeigt.“
Von 2010 bis 2014 mussten Beamte im Gebiet der Polizeidirektion Oldenburg dreimal auf Menschen schießen. In allen drei Fällen erlitten diese tödliche Verletzungen. Erst im vergangenen Oktober hatte ein Polizist einen 77-Jährigen in Stadland (Kreis Wesermarsch) erschossen, nachdem dieser eine Schreckschusspistole abgefeuert hatte. Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen den 24 Jahre alten Beamten, sah am Ende aber kein fahrlässiges Verhalten.
