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NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Nahles und Barley prangern Sexismus an

22.10.2017

Berlin/Los Angeles (dpa) - Die SPD-Politikerinnen Andrea Nahles und Katarina Barley beklagen in der "#MeToo"-Debatte Machotum und Sexismus in der deutschen Politik und in der Gesellschaft.

"Immer, wenn ich es in ein Gremium geschafft hatte, stellte ich fest: Es gibt noch ein höheres, informelles Gremium, in dem die Männer die Entscheidungen unter sich treffen", sagte Nahles der "Bild am Sonntag". "Mit einer Frau an der Spitze ist dieses Muster nun durchbrochen." Nahles ist seit Ende September Fraktionschefin der SPD im Bundestag.

In ihrer politischen Karriere habe sie selbst Sexismus erlebt, berichtete Nahles: "Eine typische Sexismus-Erfahrung ist, dass Frauen nicht ernst genommen werden. Ich habe in meinem Leben unglaublich oft gehört: Die kann das nicht. Oder: Sie ist noch nicht so weit." Bei Frauen werde sogar noch die Qualifikation angezweifelt, wenn sie bereits sehr erfolgreich im Leben stünden. "Ich kenne nichts Vergleichbares bei Männern."

Familienministerin Barley zeigte sich erfreut über die "#MeToo"-Debatte, die vom Missbrauchsskandal um den Hollywoodmogul Harvey Weinstein auch in Deutschland ausgelöst wurde. "Sexismus ist Alltag, in der einen Branche mehr als in der anderen", sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Unter dem Hashtag #MeToo berichten Frauen in aller Welt seit Tagen in den sozialen Medien über Erfahrungen mit Chauvinismus, Sexismus und sexualisierter Gewalt.

Auch Barley berichtet von negativen Erfahrungen: So gebe es bei offiziellen Fototerminen "schon den einen oder anderen, der bei der Umarmung oder wenn man eng beieinander steht, seine Hand mal länger auf der Taille lässt oder fester zugreift", sagte sie. "Einen gab es, sehr viel älter als die meisten, der packte besonders fest zu. Wegen seines Alters habe ich das aber abgetan." Frauen müssten sich oft fragen, ob sie sich gegen Sexismus öffentlich wehren sollten.

Die Zahl der Frauen, die Weinstein sexuelle Übergriffe vorwerfen, wuchs dem US-Sender NBC zufolge unterdessen auf mehr als 60. Sie sei von dem Produzenten "zu Tode geängstigt" worden, sagte ihr Anwalt David Ring in Los Angeles etwa über seine Mandantin, eine anonyme italienische Schauspielerin. Die Frau hatte angegeben, Weinstein vor vier Jahren auf sein Drängen hin in ihr Hotelzimmer gelassen zu haben. Im Badezimmer habe er sie dann vergewaltigt. Weinstein hat erklären lassen, er weise Vorwürfe von nicht-einvernehmlichem Sex zurück.

Der Verband der US-Regisseure DGA leitete derweil Schritte zum Ausschluss Weinsteins ein. "Solche erbärmlichen Machtmissbräuche dürfen nicht hingenommen werden", teilte der DGA-Vorstand dem Portal "Deadline" zufolge mit. "Wir müssen anerkennen, dass sexuelle Belästigung in unserer Gesellschaft zu Hause ist, und auf schmerzhafte Weise in unserer Branche." Regisseure, Agenten, Filmcrews, Vorstände, Darsteller, Produzenten und Drehbuchschreiber hätten zu lange geschwiegen. "Dieser beschämende Kodex der Mittäterschaft muss gebrochen werden".

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