Cloppenburg - Wir schreiben den 20. August 1996 – also heute vor 20 Jahren. Es ist kurz nach 16 Uhr – Sirenenalarm in der Stadt. Was noch keiner zu diesem Zeitpunkt ahnt: Es entwickelt sich gerade einer der größten Brände in der Geschichte der Stadt Cloppenburg, noch weisen „nur“ dichte Rauchwolken der Feuerwehr den Weg zum Verwaltungsgebäude, das gerade grundlegend renoviert und erweitert wird. Vier Stunden später hat die Feuerwehr den Brand vorerst gelöscht, am Ende des Tages steht ein Schaden von 5,5 Millionen D-Mark – „nur“ 5,5 Millionen dank der Feuerwehr. Ohne deren massiven und engagierten Einsatz hatte der Schaden noch weit höher ausfallen können.

„Ich stand gerade mit Kollegen in der Teeküche, als jemand reingestürmt kam und rief: ,Mensch, beim Rathaus ist was los, da brennt es’“, erinnert sich der städtische Pressesprecher Klaus Niemann, der als damals 44-jähriger Mitarbeiter des damaligen städtischen Kulturamts sein Büro noch in der Stadthalle an der Mühlenstraße hatte. Drei Monate später sollten Niemann und seine Kollegen eigentlich ins Rathaus umziehen – doch daraus wurde nichts. Es dauerte schließlich ein Jahr, bis es soweit war.

„Wir (das waren der heutige Chef der Stadthalle, Alfons Lücking, Niemann und eine weitere Kollegin, Anm. d. Red.) sind dann zum Rathaus gelaufen, wo die Feuerwehr aber schon alles abgesperrt hatte.“ Das Feuer – so Niemann weiter – sei so groß gewesen, dass man den Eindruck habe gewinnen können, dass alles bis auf die Grundmauern niederbrennen könne.

Auf der anderen Seite der Absperrung sind zu diesem Zeitpunkt Dieter Leuschner und seine Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr Cloppenburg schwer damit beschäftigt, den Brand zunächst einmal in den Griff zu bekommen und – in der dicht bebauten Innenstadt-Lage – ein Übergreifen der Flammen vor allem auf Gebäude am Rathausweg zu verhindern.

Doch die Voraussetzungen dafür sind alles andere als gut: Die Straßen sind schmal und der Platz vor dem Rathaus-Neubau eine einzige Baustelle. Außerdem halten die Dachziegeln die Hitze drinnen wie in einem Backofen, bis es der Feuerwehr gelingt – so erinnert sich der heutige stellvertretende Stadtbrandmeister Leuschner – die Ziegeln abzutragen und so die Brandnester zu löschen. Mit – salopp gesagt – „Wasserwänden“ wird das Übergreifen der Flammen auf die unteren Stockwerke des alten Rathausteils und auf benachbarte Häuser wie das vor einigen Monaten abgerissene Privathaus des inzwischen verstorbenen Verlegers Heinz-Josef Imsiecke verhindert.

Aber nicht nur die insgesamt rund 100 Feuerwehrleute aus weiten Teilen des Kreises Cloppenburg machen an der „Brandfront“ an diesem Tag einen guten Job, auch die Führung um den Einsatzleiter – den damaligen Kreisbrandmeister Johannes Stör – und den seinerzeitigen Stadtbrandmeister Kurt Lade trifft die richtigen Entscheidungen. Zum Beispiel hatte Stör schnell auch die Feuerwehren aus Cappeln, Molbergen, Friesoythe, Emstek und Garrel alarmiert, die sich zunächst auf dem Marktplatz versammelten und dann gezielt zur Brandstelle beordert wurden.

„Dass sich ein Feuer so schnell ausbreitet, habe ich selten erlebt“, erinnert sich der heute 77-jährige Ex-Kreisbrandmeister Stör. Der Grund lag in einem so genannten Flash over. Konkret: Bei dem durch Hartlötarbeiten an der Kupferverkleidung des Daches ausgelösten Schwelbrand im Dachstuhl hatten sich Gase entwickelt. Als diese sich mit Sauerstoff vermengten, entzündeten sie sich explosionsartig. Sofort breitete sich das Feuer über das einige hundert Meter große Dachgeschoss aus, dabei entstanden Temperaturen von bis zu 1500 Grad. „Nur wenige Minuten zuvor hatten einige Bauarbeiter Feierabend gemacht. Nach Ansicht eines Experten wären sie nicht mit dem Leben davongekommen, wenn sie sich zum Zeitpunkt der Explosion noch im Dachgeschoss befunden hätten“, schreibt die NWZ  in ihrer Ausgabe vom 21. August 1996.

20. August 1996: Ein denkwürdiger Tag vor allem für die Cloppenburger Feuerwehr. Mit dem nächsten schwierigen Innenstadtbrand bekommt sie es erst rund 18 Jahre später zu tun: Am 28. Februar 2014 brennen in der Fußgängerzone die Häuser Nummer 45 und 47 ab – ausgelöst ebenfalls durch Bauarbeiten.

Carsten Mensing
Carsten Mensing Redaktion Münsterland