Ganderkesee - Eine lockere Runde sitzt da zusammen in der Ganderkeseer Rettungswache, plaudernd und flachsend, sogar ein Malteser ist schon dabei: Jaron Warmuth hat gerade erst beim Malteser Hilfsdienst (MHD) in Wilhelmshaven seine Ausbildung zum Rettungssanitäter abgeschlossen, seit einer Woche ist der 21-Jährige beim Rettungsdienst in Ganderkesee beschäftigt – obwohl dafür noch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) verantwortlich ist.
Keine Spur von Rivalität oder Ärger wenige Tage vor dem Wechsel: Bekanntlich hat der Landkreis Oldenburg dem DRK wegen falscher Abrechnungen zum Jahresende den Rettungsdienstvertrag für die Gemeinden Ganderkesee und Hude gekündigt. In Hude, wo die Johanniter das Rote Kreuz ablösen, gab es Komplikationen. In Ganderkesee übernimmt der Malteser Hilfsdienst die Rettungswache – und der Übergang funktioniert offenbar reibungslos: „Es ist ja nur ein Organisationswechsel, die Arbeit bleibt die gleiche“, sagt Dirk Timmermann, der am Heiligabend die Tagesschicht leitet. Er ist ein Paradebeispiel: Timmermann hat noch einen Ehrenamtlichen-Ausweis der Malteser in der Tasche, arbeitet hauptamtlich in Ganderkesee für das Rote Kreuz und wird nun wieder bei den Maltesern beschäftigt sein – wie die meisten der 22 Hauptamtlichen des DRK in Ganderkesee.
Schon an diesem Donnerstag, 29. Dezember, wird der MHD die Rettungswache übernehmen. Nach Angaben von Frank Flake, Leiter des Malteser-Rettungsdienstes für den Bereich Oldenburg-Nord, wird ein Notarzt-Einsatzfahrzeug in Bookholzberg stationiert, zwei Rettungswagen (RTW) an der Urneburger Straße in Ganderkesee. Einen RTW haben die Malteser neu beschafft, den anderen übernehmen sie vom Roten Kreuz.
17 Mitarbeiter wechseln dann vom einen Rettungsdienst zum anderen. Ein Einsatz von Ehrenamtlichen des DRK-Ortsvereins Ganderkesee kommt für die Malteser indes nicht in Frage. „Das wäre eine Vermischung von Interessen, das geht nicht“, sagte Flake.
Die Kreisverwaltung erwartet Kontinuität in Ganderkesee: „Der Rettungsdienst in der Gemeinde ist qualitativ und nahtlos gewährleistet“, betonte Erster Kreisrat Christian Wolf vergangene Woche auf der Jahresabschluss-Pressekonferenz im Kreishaus.
„Wichtig ist, dass jetzt wieder Ruhe einkehrt“, erklärt Ganderkesees stellvertretende Bürgermeisterin Christel Zießler, die den Einsatzkräften am Heiligabend Kartoffelsalat und Frikadellen vorbeibringt – eine feste Tradition zu Weihnachten und ein Zeichen der Wertschätzung, die die Gemeinde dem Rettungsdienst entgegenbringt.
Das wird sich bei den Maltesern nicht ändern – auch wenn deren Engagement ab Donnerstag zunächst nur eine Interimslösung ist. Für die weitere Zukunft will der Landkreis Oldenburg den Rettungsdienst in Ganderkesee und Hude ganz neu ausschreiben. Christian Wolf rechnet damit im Januar oder Februar. Die Ausschreibung erfolgt europaweit – auch ausländische Anbieter können sich bewerben. Der Malteser Hilfsdienst werde auf jeden Fall seine Dienste dauerhaft anbieten, sagt Frank Flake. Und möglicherweise wird auch dass Rote Kreuz über eine Bietergemeinschaft wieder antreten.
