Friesoythe/Ramsloh - Die Dunkelheit bricht schon am Nachmittag herein. Wie diese legt sich in der dunklen Jahreszeit ein Schleier über den Gemütszustand vieler Menschen. Melancholie, Depression, Winterblues: Begriffe, die in die gleiche Richtung zielen und die viele Menschen nicht loslassen. Wie gelingt es, den Winter ohne Stimmungstief zu durchleben? Die Diplom-Psychologinnen Gudrun Schlick aus Ramsloh und Beate Koob aus Friesoythe beantworten die wichtigsten Fragen dazu und geben Tipps.

Warum gibt es den Winterblues und was ist das

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„Bei weniger Licht wird weniger Serotonin im Gehirn ausgeschüttet. Serotonin, auch das Wohlfühlhormon genannt, bewirkt, dass wir uns geborgen und glücklich fühlen“, sagt Beate Koob. Dadurch könne sich ein andauerndes Stimmungstief entwickeln.

Über mögliche Anzeichen klärt Gudrun Schlick auf: „Das kann vor allem mangelnder Antrieb sein, Lustlosigkeit sowie Veränderungen des Körpergewichts, Unruhezustände oder Schlafstörungen.“ Wenn man allgemein nicht mehr in seiner eigenen Mitte sei, solle man aufhorchen.

Neben fehlendem Tageslicht können auch Familienkonflikte die Ursache sein. Diese könnten verstärkt werden durch die im November stattfinden Trauertage oder das nahende Weihnachtsfest, weiß Gudrun Schlick. Sie unterscheidet grundsätzlich zwischen einem leichten Stimmungstief (Winterblues) und einer psychischen Tieflage mit sozialen Folgen, in der man selbst kleinste Alltagstätigkeiten nicht mehr schafft (Winterdepression).

Was kann aus dem Stimmungstief helfen

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„Wärme und Licht spielen eine große Rolle“, sagt Schlick. Spezielle Tageslichtlampen, die das Frequenzspektrum des Sonnenlichts wiedergeben, gibt es in allen Preisklassen. „In Kliniken kann man bei einer Depression auch eine Lichttherapie machen. Eine halbe Stunde oder länger genießt man eine ,Lichtdusche’ unter einer 10 000 Lux hellen Lampe“, erklärt Koob.

Die Klopftechnik

Mit Zeige- und Mittelfinger 20 bis 25 Mal sanft aber registrierbar klopfen. Klopfstellen sind zum Beispiel der äußere Rand der Augenbrauen, unter der Nase, unter den Augen oder auf der Thymusdrüse, die befindet sich knapp unter dem Schlüsselbein.

Der Energiefluss im Körper wird dadurch angeregt und hilft, Spannungen abzubauen und Blockaden zu lösen.

Beide Psychologinnen raten dazu, an die frische Luft zu gehen, um depressiven Stimmungen entgegenzuwirken. Die beste Zeit dafür sei mittags. „Bei einem Spaziergang fällt es oft leichter, den Blickwinkel auf die Probleme zu ändern“, sagt Koob. Der Kontakt mit der Natur sei ein wesentlicher Faktor: „Die Natur auf sich wirken zu lassen, kann beruhigend sein“, weiß Schlick. Viele schwören auf die Klopftechnik (s. Infobox).

„Geh’ doch mal unter Menschen“ – ein häufig gehörter Tipp, dem Schlick aber nichts abgewinnen kann: „Das erzeugt in den meisten Fällen nur zusätzlichen Druck und Stress für den Betroffenen.“

Wenn selbst einfachste Tätigkeiten größte Anstrengung abfordern, empfiehlt Koop: kleine Ziele setzen. „Das kann auch mal nur Wäsche waschen sein. Hauptsache ist, man kommt im Kleinen in die Aktion und hat Erfolgserlebnisse.“

Ab wann man sich professionelle Hilfe holen sollte, sei schwierig festzulegen. „Insgesamt kann man sagen: Wenn sich der Zustand nach Monaten nicht verändert, ist die Sprechstunde bei einem psychologischen Psychotherapeuten die erste Anlaufstelle“, so Schlick.

Was kann man vorbeugend unternehmen

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Genügend Bewegung und antidepressive Wirkstoffe in der Ernährung können vorbeugend wirken. „Die findet man zum Beispiel in Weizenkeimen, Amaranth oder Quinoa“, erklärt Koob. Sie rät zudem zu „bewussten Ruhephasen“. Eine andere Maßnahme kommt aus dem Tierreich: „Wenn Tiere Stress ausgesetzt sind, zum Beispiel bei einer Flucht, dann schütteln sie sich anschließend. Das lockert die Muskeln und gibt Körper und Psyche ein bewusstes Zeichen, sich jetzt wieder entspannen zu können.“