FRIESOYTHE - „Hier in dem Stadtteil, in dem ich wohne, hat es bisher keine Krawalle gegeben“, berichtet Franke Pharoah. Der amerikanischer Soulmusiker, der teilweise in Friesoythe lebt, hält sich derzeit in dem Nordlondoner Stadtteil Islington auf. Er fährt fort: „Die Polizei hat es nicht zuglassen. Sie hat alles blockiert.“ Auch die Pubs und Restaurants seien geschlossen gewesen. Er habe keine Angst, sagt der Sänger, da weder er, noch Freunde oder Verwandte in den betroffenen Stadtteilen leben oder arbeiten. „Aber jeder in London ist derzeit beunruhigt.“

„Mich erinnert die derzeitige Situation in London an die 80er-Jahre“, berichtet Astrid Dey, sie lebt in Sedelsberg, ist aber Engländerin und in der Nähe von Wimbledon geboren. Im Oktober 1985 war es im Nordlondoner Stadtteil Tottenham zu einem Aufstand gekommen, nachdem eine schwarze Frau bei einem Polizeieinsatz ums Leben gekommen war. Bei den folgenden Auseinandersetzungen wurde ein Polizist von einer Menschenmenge getötet, die versuchte, ihn mit Messern und Macheten zu enthaupten. „Das hat damals alle Menschen in England sehr geschockt“, erinnert sich Dey und fährt fort: „Wir hatten gehofft, dass das jetzt inzwischen vorbei ist.“ Sie ist offensichtlich entsetzt, was sie im britischen Fernsehen sieht, allerdings habe sie keine Angst um Verwandte und Freunde: „Die sind alle weit genug davon entfernt.“

Dey glaubt, dass die Ausschreitungen heute eine andere Qualität haben als damals, dass sie koordinierter sind. „Alle haben ein Handy und sprechen sich ab.“ Geblieben sind die gezielten Angriffe auf die Polizei. „Man sieht auf den Bildern, wie die Protestierer versuchen, Polizisten zu verletzen.“

Für die Jugendlichen hat Dey kein Verständnis. Der Tod eines 29-jährigen Schwarzen, der von der Polizei getötet wurde, sei lediglich als Vorwand genutzt worden. Es ginge vor allem ums Plündern. Dey erhofft sich ein härteres Vorgehen der Polizei. „Ich habe keine Angst, dass so etwas in Deutschland passieren kann“, meint sie. Die Polizisten hier seien besser ausgerüstet und trainiert.

Franke Pharoah glaubt zwar auch, dass viele Menschen die Chance nutzen, sich zu bereichern. Aber er sieht in den Krawallen auch Folgen sozialer Missstände. „Viele Menschen brauchen Hilfe“, meint er. Und: „Jugendliche haben oft keine Hoffnung, kein Geld, keinen Arbeitsplatz.“ Der Staat müsse diese Menschen besser unterstützen. Auch sei mehr Kommunikation und Verständigung nötig. „Wir müssen über die Probleme und ihre Ursachen sprechen.“

Ein Problem sieht Pharoah auch in den Jugend-Subkulturen. In ihr würden die Straßengangs und Gewalt glorifiziert. „Seit zehn, 15 Jahren war die Musik nicht mehr positiv.“ Pharaoh sagt, er wolle mit Musik selbst einen Teil zur Problemlösung beitragen. Er habe deswegen vor wenigen Tagen den Song „Young Man“ veröffentlicht, der junge Menschen auffordert, ihre Träume friedlich zu verwirklichen.