GANDERKESEE - „Entkirchlichung der Gesellschaft“ nennt die Ganderkeseer Pastorin Susanne Bruns die Tatsache, dass der Vatertag und Christi Himmelfahrt am selben Datum gefeiert werden. Über die Geschichte des Vatertags weiß die Pfarrerin erstaunlich gut Bescheid: „Der Vatertag kam aus Amerika nach Deutschland“. Das sei aber bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gewesen.
Susanne Bruns hat Theologie und Kirchengeschichte studiert und weiß: „Schon im Mittelalter wurde der Himmelfahrtstag dazu genutzt, Herrenpartien zu unternehmen.“ Die religiöse Bedeutung des Festtags ist wohl auch damals schon in den Hintergrund getreten. Dabei sieht Pastorin Bruns die Feier der Aufnahme Jesu in den Himmel als eine Schnittstelle zwischen Ostern und Pfingsten, zwischen Auferstehung und Entsendung der Apostel. Für die Pastorin ist das die Keimzelle der Kirche.
Aber der Tag ist nicht nur ein religiös geprägter Feiertag. Manche Menschen müssen an diesem Tag mehr arbeiten als üblich. Elke Drawin, Rettungsassistentin des DRK in Ganderkesee, geht davon aus, dass die Sanitäter am Vatertag einige Touren mehr fahren als sonst. Sie haben vor allem mit den Folgen des Alkohols zu tun. Manchmal bleiben Betrunkene zur Beobachtung im Krankenhaus, manchmal reicht es, sie zu bitten, nach Hause zu gehen. Daneben gibt es natürlich auch Fahrradunfälle mit und ohne Alkohol: Die Rettungskräfte müssen sich dann um Verletzungen an Händen und Knien, aber auch um Platzwunden am Kopf kümmern.
Auch die Polizei ist auf Vatertag eingestellt. „Wir werden eher präventiv unterwegs sein“, sagt Pressesprecher Carsten Grallert. Das heißt, dass die Beamten besonders genau auf Anzeichen von Trunkenheit bei Fahrrad- und Autofahrern achten. Grallert ist aber optimistisch: „Prinzipiell wissen die Menschen im Landkreis, wann Schluss mit dem Trinken ist.“ Und er hat einen guten Rat parat: „Wenn es doch ein bisschen mehr geworden ist, lieber das Fahrrad schieben.“ Bei schlechtem Wetter, so die Erfahrung, ist an Himmelfahrt ein ganz normaler Feiertagsdienst zu erwarten.
Auf gutes Wetter hingegen hoffen die Gastronomen, unter ihnen die Wirtin der Waldschänke, Anja Köhler. Nicht nur dort laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die vierköpfige Blaskapelle ist bestellt, Bierwagen und Bratwurststand stehen für die Herrenpartien bereit.
