GANDERKESEE/HUDE/OLDENBURG - Im Prozess um die Gas-Attentate von Ganderkesee und Hude hat sich die Oldenburger Schwurgerichtskammer am Dienstag noch einmal verstärkt mit dem Fingerabdruck des angeklagten Helmut K. aus Neuenlande an einer am Tatort aufgefundenen Gasflasche beschäftigt. Um abzuklären, wie wahrscheinlich bzw. unwahrscheinlich es ist, dass es sich bei diesem Fingerabdruck um eine alte oder um eine neue (und damit verräterische) Spur handelt, wurden gestern Mitarbeiter einer Bremer Spedition, die Gasflaschen im gesamten norddeutschen Raum vertreibt, und ein Mitarbeiter einer Gas-Abfüllanlage als Zeugen gehört.

Allein die Bremer Spedition verkauft jährlich nur im norddeutschen Raum rund 85 000 Gasflaschen, im gesamten Bundesgebiet sollen rund 500 000 Gasflaschen im Einsatz sein. Der Mitarbeiter der Gas-Abfüllanlage erklärte, dass neu befüllte Flaschen mit einer Seifenlauge besprüht würden, um zu prüfen, ob die Ventile tatsächlich dicht seien. Diese Prozedur und die hohe Anzahl der eingesetzten Gasflaschen könnten ein wichtiges Indiz dafür sein, dass der Fingerabdruck des Angeklagten an der aufgefundenen Gasflasche tatsächlich neu, also am Tatort erst an die Flasche gelangt ist.

Leere Gasflaschen (auch der Angeklagte hatte in seiner Werkstatt mit Gas gearbeitet) werden zurückgegeben, neu befüllt und dann wieder an andere Kunden ausgeliefert. Eine alte Spur, die sich bei einem normalen Gebrauch durch den 51-jährigen Angeklagten aus Neuenlande an der Flasche abgesetzt hätte, wäre aber wohl spätestens bei der Dichtungsprüfung zerstört worden.

Diese „Indizienkette“ mag am Dienstag dazu geführt haben, dass der Verteidiger des Angeklagten noch keinen Antrag auf Haftverschonung seines in U-Haft sitzenden Mandanten gestellt hat.

Die Kammer ist ganz offensichtlich nicht bereit, an der bestehenden Situation etwas zu ändern. Gegen den Angeklagten spricht mehr denn je der verräterische Fingerabdruck an einer der Tatort-Flaschen. Nach wie vor bestreitet er aber, Ende 2006 über Gartenschläuche Gas in mehrere Wohnhäuser eingeleitet zu haben, um deren Bewohner zu töten. Mitte September wird der Prozess fortgesetzt.