Garrel - Es war in den frühen Morgenstunden des 19. Januar 1979, ein Freitag, als die Freiwillige Feuerwehr Garrel einen der größten Einsätze ihrer Geschichte zu meistern hatte. Gegen 6.30 Uhr wurden die Einsatzkräfte zum Möbelhaus Kemper an der Hauptstraße gerufen: Flammen schlugen meterhoch aus dem Gebäude.

„Es herrschte grimmige Kälte“, heißt es in der Feuerwehrchronik, die anlässlich des 100-jährigen Bestehens im Jahre 2008 erschienen war. „Ein fürchterliches Wetter“, erinnert sich auch Gemeindebrandmeister Peter Deeben, der zum Zeitpunkt des Brands noch in der Jugendfeuerwehr war, dennoch die Arbeiten unterstützte. An nicht sehr viele Feuer dieses Kalibers kann sich Deeben erinnern.

„Das Feuer hatte reichlich Nahrung und wurde riesig groß.“ Mit dem Einsatz von jeder Menge Wasser kämpften die Einsatzkräfte gegen das Feuer. „Die Pumpen durften nicht stehen, sonst fror das Wasser in den Schläuchen“, erinnert sich Deeben.

Für die zu diesem Zeitpunkt 22 Männer zählende Wehr war der Einsatz nicht zu schaffen. Brandbekämpfer aus Bösel und aus Cloppenburg wurden zusätzlich nach Garrel gerufen. Die Hauptstraße wurde komplett gesperrt, der Verkehr musste umgeleitet werden.

Die NWZ berichtete am 20. Januar von dem Großfeuer. Dort hieß es: „Undurchdringliche Rauchschwaden zogen gestern bis in den Nachmittag hinein durch die Garreler Ortsmitte.“

Auch Helmut Rauer kann sich noch genau an das Feuer erinnern. Bis es nicht mehr ging hatte er versucht, im Gebäude das Feuer zu bekämpfen. Atemschutzgeräte, wie sie heute bei jedem Brand zum Einsatz kommen, gab es seinerzeit nicht. Entsprechend schwierig gestaltet sich die Brandbekämpfung. Schließlich musste Rauer einsehen, dass das Feuer zu groß geworden war. Kräftige Winde heizten es zudem immer wieder an. Also zog sich die Feuerwehr auf den Außenangriff zurück, sorgte vor allem dafür, dass keine umstehenden Gebäude in Mitleidenschaft gezogen wurden. Ein Haus, das direkt neben dem Möbelhaus stand, musste evakuiert werden.

Das Wohnhaus der Familie Kemper und die angrenzende Lagerhalle brannten bis auf die Grundmauern nieder. An einem nebenstehenden Wohnhaus, das als Lager genutzt wurde, entstand zudem Wasserschaden. Alleine den Schaden am Gebäude bezifferte die Polizei später auf rund eine halbe Million Mark. Der Inventarschaden bezifferte sich auf weitere rund 600 000 Mark.

Zu allem Überfluss verunglückte auf der Rückfahrt vom Brandort ein Dienstwagen der Polizei. Er war auf der vereisten Straße ins Schleudern geraten und hatte sich überschlagen.

Beruhigt werden mussten den ganzen Tag über auch die Pferde, die gegenüber des Möbelhauses untergebracht waren. Sie waren wegen der starken Rauchentwicklung in Panik geraten.

Unmittelbar nach dem Brand wurde der Neubau geplant und in Angriff genommen. Und nur zehn Monate später, am 13. November 1979, konnte das Möbelhaus wieder seine Türen im Neubau mit rund 2000 Quadratmetern öffnen.