Hannover - Weil er ausrangierte Hand- und Fußfesseln bei Ebay verkauft hat, steht ein 44-jähriger Gefängniswärter vor dem Amtsgericht Hannover. Der suspendierte Justizvollzugsbeamte räumte zu Prozessbeginn ein, die Fesseln mit nach Hause genommen und als „Kerkermeister 1972“ im Internet angeboten zu haben. „Mein Mandant bereut sein Fehlverhalten zutiefst“, sagte Andreas Hüttl, Rechtsanwalt des JVA-Aufsehers, der sich wegen Diebstahls und Betrugs verantworten muss. Allerdings habe der Angeklagte nicht ohne das Wissen seines Vorgesetzten gehandelt, der ihn später anzeigte.

Der Prozess begann bereits im Juni. Er wird neu aufgerollt, weil der angeklagte Amtsinspektor beim ersten Verhandlungstermin Misshandlungsvorwürfe gegen Kollegen in der Justizvollzugsanstalt Hannover erhoben und neue Zeugen benannt hat. Kurz nachdem er gesagt habe, bei strafbaren Handlungen nicht mehr mitzumachen, sei der Beamte angezeigt worden, erklärte der Verteidiger.

Inzwischen wurden mehrmals anonym Misshandlungsvorwürfe gegen Mitarbeiter der JVA Hannover erhoben. Anfang November sei erneut ein Schreiben beim niedersächsischen Justizministerium eingegangen, sagte Sprecherin Marika Tödt am Mittwoch. „Das Justizministerium nimmt die Vorwürfe gegen die JVA Hannover sehr ernst und geht diesen mit der gebotenen Dringlichkeit und Intensität nach“, sagte die Sprecherin.

Der Verteidiger des JVA-Aufsehers plädierte am Mittwoch für eine Einstellung des Verfahrens unter Auflagen. Sein Mandant sei seit einem Jahr mit gekürzten Bezügen freigestellt, der entstandene Schaden sei gering und werde komplett erstattet. Staatsanwältin Kathrin Söfker sprach sich auch angesichts der Vorwürfe gegen Justizbedienstete gegen eine Einstellung aus. Sie müsse sich noch mindestens zwei JVA-Mitarbeiter als Zeugen anhören, sagte sie. Der Prozess wird an diesem Donnerstag fortgesetzt. Möglicherweise wird dann schon das Urteil gesprochen.