Carolinensiel - Zum 21. Mal wird am Samstag, 3. Juni, ab 11 Uhr mit der traditionellen Schiffsandacht am Museumshafen Carolinensiel aller Menschen gedacht, die im vergangenen Jahr auf See ihr Leben gelassen haben. Zum ökumenischen Gottesdienst laden Sielhafenmuseum, ev. Kirchengemeinde Carolinensiel und kath. St. Bonifatius-Gemeinde Wittmund mit Unterstützung der Schiffergilde, der Kurverwaltung Carolinensiel-Harlesiel und der Dorfgemeinschaft ein.
In Anlehnung an die große Vergangenheit des Sielhafens als Handelszentrum zur Zeit der Segelschifffahrt zeigt das Deutsche Sielhafenmuseum eine große Sonderausstellung unter dem Titel „Carolinensiel – Das Tor zur Welt“. Der Roman „Windiger Siel“ von Marie Ulfers, der als Grundlage für die Ausstellung diente, nimmt Bezug auf ein historisches Ereignis, das für die Schiffsandacht eine bedeutende Rolle spielt: der Untergang des Auswandererschiffes „Johanne“ vor der Insel Spiekeroog 1854. Die „Johanne“ war mit 216 Passagieren auf dem Weg nach Baltimore. Mehr als 80 ertranken.
Marie Ulfers beschreibt das Gefühl der Ohnmacht, das die Inselbewohner angesichts des verzweifelten Todeskampfes in unmittelbarer Nähe erlebten. Dieses dramatische Schiffsunglück war ein Auslöser für die Gründung des „Vereins zur Rettung Schiffbrüchiger an den ostfriesischen Küsten“ 1861. 1865 schlossen sich mehrere lokale Vereine zur Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger zusammen, kurz DGzRS, für die bei der Schiffsandacht gesammelt wird.
Die Schiffsglocke der „Johanne“ wird heute im Inselmuseum auf Spiekeroog bewahrt und zur Schiffsandacht eigens vom Vorsitzenden des Museumsvereins Dieter Mader nach Carolinensiel überführt.
Im Mittelpunkt der Andacht wird das Gedenken der zahlreichen Schiffsunglücke im Jahr 2016 stehen, darunter die vielen namenlosen Flüchtlingsschiffe. Jedem Schiffsverlust wird mit einem Glockenschlag der Schiffsglocke der „Johanne“ gedacht. Musikalisch begleitet wird die Andacht vom Posaunenchor Berdum und dem Shantychor Carolinensiel.
