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NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Unwetter: Ein Jahr nach dem Hochwasser

21.07.2018

Goslar /Hildesheim /Rhüden /Wolfenbüttel Jürgen Kluge kann wieder lachen. Seine Frau Helga will jetzt auch nicht mehr aus Rhüden weg. „200 Kisten mit meinen gesammelten Mineralien und ganz viele Werkzeuge – alles ist kaputtgegangen“, erinnert sich der 76-Jährige an die Schäden durch das Hochwasser vor einem Jahr in dem kleinen Harz-Ort. Damals lehnte er sich aus einem offenen Fenster, blickte sorgenvoll auf die Wassermassen aus der Nette, die plötzlich direkt vor der Haustür flossen. Erst vier Wochen zuvor waren Kluge und seine Frau in das Haus eingezogen. Sie lebten vorher jahrelang in Clausthal-Zellerfeld, das liegt ein paar Hundert Meter höher als Rhüden.

Tagelanger Regen hatte zuerst im Harz viele kleinere Flüsse über die Ufer treten lassen. Schnell waren Straßen unpassierbar, Keller liefen voll, die Fluten rissen Blumenkübel und Stühle mit. Im Juli 2017 fiel in manchen Orten gut dreimal so viel Niederschlag wie üblich. Rekordmengen hat der Deutsche Wetterdienst zum Beispiel in Bad Harzburg gemessen: Dort stürzten 223 Liter Wasser pro Quadratmeter vom Himmel.

Goslar schwer getroffen

Hart traf das Hochwasser auch Goslar. Am 26. Juli 2017 rief der Landkreis Katastrophenalarm aus. Vorher war schon die Innenstadt gesperrt worden. Der sonst kleine Bach Abzucht verwandelte sich in einen reißenden Fluss, der sich plötzlich seinen Weg um die Marktkirche und durch die Altstadt bahnte. Rettungskräfte brachten Touristen aus einem Hotel und Bewohner einer Seniorenresidenz rechtzeitig in Sicherheit. Später verlagerte sich das Hochwasser weiter Richtung Norden und führte zu Überschwemmungen unter anderem in Wolfenbüttel und Hildesheim.

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„Wir kannten das nicht mit Hochwasser“, erzählt Kluge, während er vor seinem Haus in Rhüden steht und mit der Hand an der Fassade zeigt, bis wohin das Wasser gereicht hat. Fast wäre es nicht nur in den Keller, sondern auch ins Wohnzimmer gelaufen. Doch an der obersten Stufe der Eingangstreppe stoppten die Wassermassen. „Ich habe mir danach noch einen Einsatz aus Brettern gebastelt, den ich dorthin legen kann, wenn es wieder soweit ist“, sagt er.

„Wenn es wieder passiert, sind wir besser vorbereitet“, ist er sicher. Dass er und seine Frau noch einmal ein Hochwasser erleben werden, hält er für wahrscheinlich. „Es passiert ja nichts“, sagt Kluge achselzuckend. Das Flussbett der Nette müsste vertieft oder die Böschung am Fluss erhöht werden, erklärt er. Immerhin: Wertvolle Dinge haben er und seine Frau nicht verloren. Das Paar hat wegen der Schäden keine Soforthilfe des Landes beantragt. Andere Betroffene schon. Bereits kurz nach dem Hochwasser hatten Flutopfer nach Angaben des Umweltministeriums rund eine Million Euro für notwendige Dinge wie Kleidung und Bettwäsche bekommen.

Das Land unterstützte Betroffene später auch bei weitreichenden Schäden. Bisher haben Privathaushalte im Land mehr als 5,5 Millionen Euro überwiesen bekommen, wie ein Sprecher der landeseigenen NBank der Nachrichtenagentur dpa sagte. Die Bank zahlt die Hilfen im Auftrag der Landesregierung aus. Damit wurden etwa Heizungen, Waschmaschinen und Trockner ersetzt, die in vollgelaufenen Kellern kaputtgegangen waren.

Neue Konzepte

Das Thema Hochwasserschutz treibt viele Orte schon seit Jahren um. Einige haben sich zu Gemeinschaften zusammengeschlossen, um Konzepte zu erarbeiten. Das Land will in diesem Jahr 83 Projekte in Niedersachsen finanzieren. Aber einen flächendeckenden Schutz vor Hochwasser kann es kaum geben. In Hildesheim sollen schnell Überflutungsflächen südlich der Domäne Marienburg geschaffen werden. Der Kulturcampus der Universität Hildesheim hatte dort massive Schäden an den alten Gebäuden zu beklagen. Auch Konzepte für Rettungseinsätze passen die Städte immer wieder an. So hat etwa Wolfenbüttel einen neuen Aktionsplan für den Krisenfall entwickelt: Zentral ist dabei ein Frühzeitwarnsystem, durch das Stunden vor dem Eintreffen schon die Entstehung eines Hochwassers in Plänen und Luftbildern angezeigt werden kann. So sollen sich Helfer früher auf den Gefahrenfall einstellen können, heißt es aus der Stadt.

In Goslar laufen immer noch Reparaturen. Dort hatte das Hochwasser Millionenschäden angerichtet. In einer Straße im Ortsteil Vienenburg habe ein Loch so groß wie drei Autos wieder aufgefüllt werden müssen, heißt es aus der Stadtverwaltung.

Auf dem Marktplatz tummeln sich jetzt, ein Jahr später, am Mittag wieder viele Touristen-Gruppen. Frauen in Sandalen, Rentner mit Sommerhüten und Teenager mit Handy in der Hand. Sie schauen auf den Zwerchgiebel des historischen Kämmereigebäudes, wo die Glocken klingen und drei Figuren zum Vorschein kommen. Genau hier auf dem Marktplatz kamen damals die Wassermassen durch das Zentrum des historischen Ortes.

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