GREBSWARDEN - Die Mordkommission ist aufgelöst, die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat ihre Ermittlungen eingestellt, jetzt ist das Landgericht am Zug. Vermutlich noch in diesem Monat wird das Gericht das Hauptverfahren einleiten, mit dem es den Mord an der 93-jährigen Leni W. sühnt. Der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder, einen 32-jährigen Familienvater aus Nordrhein-Westfalen, wird Anfang September beginnen.
Das teilt die Richterin Frauke Seewald, die in den Ferien als Pressesprecherin des Landgerichts Oldenburg amtiert, aufNWZ
-Anfrage mit. Ein Schwurgericht führt, wie bei Schwerverbrechen wie Mord üblich, die Verhandlung. Ein Schwurgericht ist aber schon lange nicht mehr mit Geschworenen besetzt, sondern mit drei Berufsrichtern und zwei Schöffen. Gegen das Urteil eines Schwurgerichts ist nur noch die Revision beim Bundesgerichtshof möglich.Sollte es den Angeklagten schuldig sprechen, kann das Urteil nur auf Lebenslänglich lauten. Die Verhandlung wird mehrere Tage dauern.
Zu den Zeugen wird auch Erster Kriminalhauptkommissar Michael Garbe gehören. Der Abbehauser hat die 23-köpfige Mordkommission geleitet, die das Verbrechen aufgeklärt hat. Die Kommission hat sich im April, etwa vier Wochen nach der Festnahme des Verdächtigen, nach und nach aufgelöst, sagt Michael Garbe. Die Beamten hatten versucht herauszufinden, ob der 32-Jährige auch für einen Einbruch bei einer anderen älteren Dame in Grebswarden anderthalb Tage vor dem Mord an Leni W. oder für andere Straftaten in Frage kommt. Ergebnis: negativ.
So bleibt der Mordvorwurf. Nach dem jetzigen Stand des Wissens ist der 32-Jährige in der Nacht zu Montag, 20. Dezember 2010, in das große Bauernhaus an der Burhaver Straße in Grebswarden eingebrochen, in dem die 93-jährige Leni W. seit Jahren allein wohnte. Er war arbeitslos und brauchte Geld, bei Leni W. hoffte er es zu finden. Im Flur des Hauses begegnete er der 93-Jährigen und erwürgte sie. Die Beute laut Geständnis: einige Hundert Euro.
Am Montagabend gegen 23 Uhr fand ein Ehepaar aus Einswarden die alte Dame tot auf. Die Eheleute hatten sich um Leni W. gekümmert und machten sich Sorgen, weil sie nicht mehr ans Telefon ging.
An den Tagen vor Weihnachten lag Schnee in Nordenham. Darin hatte der Täter Fußabdrücke hinterlassen, die zu einem speziellen Arbeitsschuh gehörten. In mühseliger Kleinarbeit überprüfte die Mordkommission mehr als 100 Männer, die einen solchen Schuh getragen hatten. Dabei stießen sie auf den 32-Jährigen.
Am 16. März nahm ihn die Mordkommission an seinem neuen Wohnort in Nordrhein-Westfalen fest, an den erst Anfang Januar gezogen war. Kaum zwei Wochen nach dem Mord.
