Bremen/Bremerhaven - Für ihren Einsatz als ehrenamtliche Seenotretter im Mittelmeer ehrt Bremen am heutigen Freitag 25 Freiwillige aus sechs Ländern mit einem Senatsempfang. An Bord des rein aus Spenden finanzierten Rettungsschiffes „Aquarius“ hatten sie im vergangenen Jahr dabei geholfen, rund 8000 Flüchtlinge vor dem Ertrinken im Mittelmeer zu retten, sagte der Botschafter von „SOS-Méditeranée“, Klaus Platz. „Wenn wir von Ertrinken reden, meinen wir das wörtlich.“

Am 3. Februar vor genau einem Jahr startete das Schiff von Bremerhaven aus zum ersten Rettungseinsatz vor der libyschen Küste. Seitdem wurden mehr als 12 000 Menschen an Bord versorgt, sagte der Geschäftsführer Hans-Gerd Knoop. Sogar drei Kinder seien auf der „Aquarius“ zur Welt gekommen. Der Einsatz kostet Knoop zufolge täglich rund 11 000 Euro.

Das 77 Meter lange Schiff kreuzt im Seegebiet zwischen Libyen und Italien. Die Crew des ehemaligen Cuxhavener Fischereiforschungsschiffes besteht aus einer zehnköpfigen nautisch-technischen Besatzung. Dazu kommen weitere zwölf Experten, die zum Such- und Rettungsteam gehören und ein Team von „Ärzte ohne Grenzen“.

Alle drei Wochen läuft die „Aquarius“ ihren Stützpunkt auf der italienischen Insel Lampedusa an. In den Wintermonaten ist die „Aquarius“ das einzige Rettungsschiff in dem Seegebiet. Für kleinere Schiffe sei das Wetter zu gefährlich, sagte Platz. Erst am Montag habe die „Aquarius“ bei zwei Einsätzen Menschen aus Schlauchbooten geborgen.

Die psychische Belastung sei gewaltig, sagte Kapitän Christian Bahlke, der als Rettungskoordinator in der Bremer Zentrale und bei Einsätzen auf See tätig ist. Immer wieder müssten auch Tote geborgen werden.