GROßENKNETEN - Die Wurzeln ihrer Herkunft wollte Alvera Chamberlain, geb. Lindemann, aus Golden, Colorado, mit ihren eigenen Augen sehen. Zusammen mit Tochter Karla und deren Ehemann Steve Jensen sowie deren Kinder Amanda und Robert reiste die gebürtige Amerikanerin deutscher Abstammung kurzerhand aus den USA ins kleine Deutschland, genauer nach Großenkneten.
In Großenkneten gelebt
Hier hat einst ihr Großvater Hermann Lindemann (1859-1934) gelebt, bis er im März 1881 nach Nebraska auswanderte. Dort lernte er dann seine bereits 1867 mit ihren Eltern ausgewanderte Frau kennen, Gesine Johannes (1862-1934). Die stammte aus der gleichen Ecke in der alten Heimat, nämlich aus Döhlen.
Nach dem Tod der Eltern druckte die Tageszeitung „The Columbus Daily Telegram“ in Nebraska einen Brief ihres Großvaters ab, den er wenige Monate vor seiner Auswanderung an Freunde in Nebraska geschrieben hatte.
Der Inhalt dieses Briefes machte Alvera Chamberlin neugierig. Über das Internet erfuhr sie von Dierk Feye, der als Ortskundiger gilt und nach der Kontaktaufnahme auch gerne die Führung der amerikanischen Gäste übernahm.
Quartier bezog die Familie Lindemann/Jensen für einige Tage im Hotel Kempermann, von wo aus Feye verschiedene Besuchstouren organisierte. Dazu gehörten der Besuch der Höfe Oltmann (Laschen), Moorbeker Straße, und Stolle, Hellbusch, eine Fahrt nach Sage und Ahlhorn, sowie am Freitag der Besuch des Museumsdorfs Cloppenburg und ein Abstecher nach Dötlingen und Ganderkesee. Diese Gemeinden und Orte waren Pflichtprogramm, sind sie doch mit der Familiengeschichte eng verwurzelt, wie Feye herausfand.
Dierk Feye, der über einen umfangreichen historischen Datenbestand verfügt und an einem Ortsfamilienbuch für die Kirchspiele Großenkneten und Huntlosen arbeitet, fand heraus, wo die Familie Lindemann genau herstammt.
Wurzeln in Bergedorf
In Bergedorf in der Gemeinde Ganderkesee lebte vor 400 Jahren eine Familie Lindemann. 1728 heiratete ein Sohn in der Kirche zu Dötlingen und bewirtschaftete einen Hof in Neerstedt. Dessen jüngster Sohn Tönjes Hinrich Lindemann heiratete 1786 in Großenkneten eine Tochter vom Laschen-Hof, Moorbeker Straße 13, wo er einige Jahre als Heuermann und später als Brinksitzer lebte, ehe er sein Haus abbrach und auf dem Selgenkuhlen neu aufbaute. Sein Sohn Johann Hinrich L. kaufte 1840 eine Brinksitzerstelle auf dem Hellbusch (heute: Stolle).
Nach seinem Tode im Jahre 1869 verkaufte die Witwe im Jahre 1870 den Hof und zog zu ihrer Schwägerin nach Pestrup. Hermann Lindemann kam als 15-Jähriger nach Westrittrum, wo er von 1874 bis 1881 als Knecht diente, ehe er nach Nebraska auswanderte.
Viele neue Eindrücke
Für Alvera Chamberlain war es eine anstrengende und aufregende Landpartie und für die Jensens gab es ganz neue Erkenntnisse von Land und Leuten. In den USA leben sie in Arizona, einer Wüstenregion mit viel Sand und wenig Vegetation. Sohn Robert: „Hier ist die Landschaft einfach schön und toll. Das gibt es bei uns so nicht.“ Tochter Amanda liebt am meisten die vielen Bäume, die sie so noch nie in dieser Vielfalt gesehen hatte.
Am Sonntag brachen die amerikanischen Gäste von Kopenhagen aus zu einer Ostseekreuzfahrt auf. Alvera Chamberlin und die vier Jensens werden die „Weißen Nächte“ in St. Petersburg erleben und weitere Highlights aus Europa mit nach Hause nehmen können.
Weitere Informationen zur Auswanderung aus Kirchspielen des Großherzogtum Oldenburg sind im Internet unter www.auswanderer-oldenburg.de unter dem Menüpunkt „Auswertungen“ zu finden.
