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NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Hätten Ärzte Högel stoppen können?

09.03.2017

Oldenburg /Delmenhorst In seinen letzten Arbeitswochen in Delmenhorst schlug der Klinikmörder Niels Högel wohl noch mindestens fünfmal zu. Doch die drei Morde und zwei Mordversuche zwischen dem 22. Mai und dem 24. Juni 2005 hätten nach Ansicht der Staatsanwaltschaft verhindert werden können, wenn Mitarbeiter des Klinikums rechtzeitig eingeschritten wären. Das Landgericht Oldenburg macht deshalb demnächst zwei damaligen Oberärzten und dem damaligen Stationsleiter den Prozess.

Der Vorwurf: Totschlag durch Unterlassen. Den drei Angeklagten drohen Freiheitsstrafe von mindestens 5 und höchstens 15 Jahren.

„Wir sehen mit großer Genugtuung, dass jetzt auf unser Betreiben als Nebenkläger hin, sich drei der Verantwortlichen vor Gericht für ihr Mitwirken und Mitwissen an den Morden verantworten müssen“, sagte Christian Marbach von der „Interessengemeinschaft Klinikmorde Delmenhorst“ der NWZ.

„Es ist für die Angehörigen wichtig, gerichtlich die strafrechtliche Verantwortung dieser drei Personen beurteilen und den Sachverhalt aufklären zu lassen“, sagte Nebenkläger-Anwältin Gaby Lübben. Das Klinikum Delmenhorst nannte die Gerichtsentscheidung eine „für alle sehr belastende Entwicklung“.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, Högels Taten billigend in Kauf genommen zu haben. Aus Angst um das Ansehen der Klinik und vor dem Vorwurf falscher Verdächtigung seien sie untätig geblieben.

Bei den drei mitangeklagten Pflegern sieht das Gericht dagegen keinen hinreichenden Tatverdacht. Sie hätten sich sogar zum Teil bemüht, Högel die Tötungen von Patienten nachzuweisen.

Der heute 40-jährige Högel wurde bereits in sechs Fällen wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung an Patienten verurteilt und verbüßt eine lebenslange Haftstrafe. Gegen den Ex-Pfleger wird weiter ermittelt. Möglicherweise hat er zwischen 2000 und 2005 in den Kliniken Odenburg und Delmenhorst mehrere Dutzend Patienten getötet. In über 40 Fällen besteht derzeit dringender Tatverdacht.

Wann das Hauptverfahren gegen die Mediziner und den Stationsleiter vor dem Landgericht beginnt, ist noch offen. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob sie Beschwerde beim Oberlandesgericht einlegt, um eine Zulassung der Klage gegen die drei Pflegekräfte zu erwirken. Nebenkläger-Vertreter Marbach kritisierte, dass nicht gegen mehr Klinikmitarbeiter ermittelt wurde.

Mit Spannung wird erwartet, ob Högel beim Prozess gegen die Klinik-Mitarbeiter als Zeuge aussagt. Vermutlich ab Herbst sitzt der Klinikmörder dann selbst wieder auf der Anklagebank.

Marco Seng
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2008

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