Düsseldorf/Oldenburg - Der aus Oldenburg stammende Marco G. verfolgte die Erörterungen an diesem Prozesstag fast ausdruckslos. Von allen vier Angeklagten im Düsseldorfer Salafisten-Prozess ist er der einzige, der sich bislang mit keinem Wort zur Anklage geäußert hat, obwohl er von den anderen schwer belastet wurde.
Doch diesmal ging es auch nicht um Marco G., sondern um Tayfun S., gegen den ebenfalls seit fast zwei Jahren vor dem Fünften Strafsenat des Düsseldorfer Oberlandesgerichts verhandelt wird – und der vor einigen Wochen ein Geständnis abgelegt hat.
Doch ein Antrag auf Aufhebung des Haftbefehls gegen Tayfun S. wurde gleich zu Sitzungsbeginn vom Senat abgelehnt. Dabei verwies der Vorsitzende Richter Frank Schreiber darauf, dass Tayfun S. auch weiterhin „dringend verdächtig“ sei sowie Flucht- und Verdunkelungsgefahr bestehe. Auch werde der erst vor wenigen Wochen erfolgten Einlassung von Tayfun S. „ein nur geringer Stellenwert“ beigemessen.
Hinzu komme, dass sich die Darstellung von Tayfun S. zu seinen ideologischen Überzeugungen vor dem Hintergrund der bisherigen Beweisaufnahme „nicht erschließen“. Damit ließ der Senat erstmals durchblicken, dass er der Darstellung des türkischstämmigen Angeklagten, ihm sei es nur um Raubüberfälle gegangen und mit radikal-islamischem Gedankengut habe er nichts im Sinn, offenbar nur wenig Glauben schenkt.
Die Bundesanwaltschaft wirft den vier Angeklagten vor, einen Mordanschlag auf Markus Beisicht, den Vorsitzenden der als rechtsextrem eingestuften Partei Pro NRW, geplant zu haben. Dem Hauptangeklagten Marco René G. wird darüber hinaus vorgeworfen, am 10. Dezember 2012 versucht zu haben, auf dem Bahnsteig 1 des Bonner Hauptbahnhofs eine selbstgebaute Rohrbombe zur Explosion zu bringen.
Jenny Lederer, die Anwältin von Tayfun S., gibt nicht auf. Sie beantragte ein phonetisches Gutachten zu einem 2012 abgehörten und aufgezeichneten Gespräch. Darin soll S. laut Anklage „Tod den Juden“ sowie „Und morgen, Insch’Allah, Waffen“ gesagt haben. Tayfun S. bestreitet das allerdings. Er will etwas anderes gesagt haben.
