• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Darum havarierte die „Glory Amsterdam“ vor Langeoog

07.03.2019

Hamburg /Langeoog Keine Verletzten und keine Umweltschäden: Obwohl die Strandung des Frachters „Glory Amsterdam“ vor der ostfriesischen Insel Langeoog 2017 noch glimpflich ausgegangen war, hält sich bis heute die Kritik, dass die Havarie nicht rechtzeitig verhindert werden konnte. Ausschlaggebend für den Notfall waren wohl sprachliche Missverständnisse und mangelnde seemännische Fähigkeiten, heißt es jetzt im Abschlussbericht der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) in Hamburg.

Demnach hatten der gestresste chinesische Kapitän und seine Crew offenbar Schwierigkeiten, in angespannter Lage die Funk-Anweisungen des deutschen Notschleppers „Nordic“ umzusetzen. Bei der Auswertung der Aufzeichnungen sei aufgefallen: „Eigentlich haben die ja ständig aneinander vorbeigeredet“, sagte BSU-Direktor Ulf Kaspera am Mittwoch bei der Vorstellung des Berichts.

NWZ-Spezial: Alle Artikel zur Havarie vor Langeoog

Die unter der Flagge Panamas fahrende „Glory Amsterdam“ hatte sich am 29. Oktober 2017 in einem Orkan morgens von ihrem Ankerplatz losgerissen und war rund zwölf Stunden durch die Deutsche Bucht getrieben. Am Abend strandete sie rund zwei Kilometer vor Langeoog auf einer Sandbank. Zuvor war es misslungen, ein Bergungsteam per Hubschrauber auf dem Havaristen abzusetzen. Der Frachter war zwar unbeladen, hatte aber fast 2000 Tonnen Treibstoff, überwiegend Schweröl, als Eigenbedarf an Bord. Die Bergung gelang erst Tage später.

Für Unverständnis hatte an der Küste gesorgt, dass das Notschleppkonzept des deutschen Havariekommandos in Cuxhaven offenbar in mehreren Punkten versagt hatte. In dem BSU-Abschlussbericht werden dafür vor allem Verständigungs- und Verständnisprobleme genannt, als es um praktische Absprachen für die Notschleppmanöver ging. So hatte der chinesische Kapitän den im Behördenauftrag eingesetzten Notschlepper „Nordic“ nicht klar erkannt und mit einem kommerziellen Bergungsschlepper verwechselt.

Als Konsequenz empfahl BSU-Direktor Kaspera eine auffällige Kennzeichnung für Notschlepper im staatlichen Einsatz. Zudem könnten die friedlichen Absichten des Bergungsteams besser mit einem Begriff wie „German Emergency Assistence Team“ statt „Boarding Team“ angekündigt werden. „Wir werden uns in der nächsten Zeit mit dem Bericht und den Empfehlungen für das Havariekommando auseinander setzen“, sagte dessen Leiter Hans-Werner Monsees der Deutschen Presse-Agentur.

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) zeigte sich entsetzt, dass das Havariekommando keinen vollen Zugriff auf genaue Positions- und Radarangaben sowie den Funkverkehr gehabt habe. Die technische Ausstattung der Einrichtung müsse verbessert werden.

Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste (SDN) sieht auch nach dem Bericht noch viele offene Fragen. Unklar sei, ob es ausreichend realistische Übungen für Hubschrauberpiloten gebe, sagte SDN-Sprecher Peter Andryszak. „Übungen bei schönem Wetter reichen nicht, Lotsen fliegen ja auch noch bei Sturm“, kritisierte Langeoogs Bürgermeister Uwe Garrels (parteilos). Er befürchtete, dass sich bei dem starken Schiffsverkehr in der Nordsee eine derartige Havarie jederzeit wiederholen könnte. „Das ist eine existenzielle Bedrohung für alle Küsten- und Inselbewohner“, sagte Garrels.

Länder fordern verschärfte Regeln

Das Land Niedersachsen appelliert unterdessen in einer gemeinsamen Bundesratsinitiative mit Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern an die Bundesregierung, die Regelungen für den Transport von Gefahrgut auf Großcontainerschiffen zu verschärfen. Der Entschließungsantrag ist eine Reaktion auf die Havarie des Riesen-Containerschiffes „MSC Zoe“ am 2. Januar vor Borkum.

Lars Laue Korrespondent / Redaktion Hannover
Rufen Sie mich an:
0511/1612315
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.