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NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Bande falscher Polizisten soll Region terrorisiert haben

12.09.2018

Hameln Bei einer groß angelegten Aktion in Niedersachsen und Bremen hat die Polizei am Dienstag eine überregional agierende Bande falscher Polizisten ausgehoben. In Hameln, Bad Münder und Bremen wurden zahlreiche Objekte durchsucht. Dabei seien viele Beweismittel sichergestellt und in Hameln drei mit Haftbefehl gesuchte Männer festgenommen worden, berichtete die Staatsanwaltschaft Hannover. Gegen acht weitere Personen werde ermittelt, sagte Sprecher Thomas Klinge. Die Inhaftierten sind nach Angaben der Polizei 22, 28 und 33 Jahre alt. Einer der Männer sei in Deutschland geboren, die beiden anderen in Syrien.

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Die Bande steht im Verdacht, in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern im großen Stil Bargeld und Wertgegenstände erbeutet zu haben. „Opfer waren zumeist ältere Menschen“, sagte Oberstaatsanwalt Klinge. „Ihnen wurde von den angeblichen Polizisten am Telefon vorgegaukelt, dass Einbrüche drohen und ihr Geld zu Hause nicht sicher sei. Deshalb würden Beamte vorbeikommen und alles abholen.“ Die Betroffenen hätten dann vielfach in gutem Glauben Geld und Wertgegenstände vor die Tür gelegt, berichtete Klinge. Wie hoch der Schaden ist, den die Bande angerichtet hat, war aber noch nicht klar.

Obwohl die Behörden seit Jahren vor der Masche warnen, haben die Betrüger häufig Erfolg. So verlor Ende Mai ein älteres Ehepaar aus dem Weserbergland rund 130 000 Euro: Die Betrüger hatten den Eheleuten am Telefon erzählt, ihr Geld wäre bei der Bank wegen eines angeblich korrupten Mitarbeiters nicht mehr sicher. Eine 69-Jährige aus Hildesheim wurde um 40 000 Euro, ein Sparbuch und mehrere Goldbarren gebracht. Und ein Rentner aus Hemmingen bei Hannover wurde so um fast 100 000 Euro betrogen. Knapp die Hälfte davon überwies der Mann auf ein Konto in der Türkei.

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Falsche Polizisten waren nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) in den ersten sechs Monaten dieses Jahres allein in Niedersachsen etwa 50 Mal erfolgreich. Dabei erbeuteten sie insgesamt rund zwei Millionen Euro. Im vergangenen Jahr gab es rund 110 vollendete Betrügereien. Der Schaden lag bei 2,5 Millionen Euro.

Die Gesamtzahl der betrügerischen Telefonanrufe durch angebliche Polizisten werde nicht erfasst, sagte eine LKA-Sprecherin. Ermittler gehen davon aus, dass es Tausende sind. In Bremen stieg die Zahl der versuchten und zum Teil erfolgreicheren Betrügereien zuletzt stark. Im ersten Halbjahr 2018 wurden mehr als 700 entsprechende Delikte registriert - fast genauso viele wie im gesamten Jahr 2017.

Der Polizeiaktion gegen die falschen Beamten am Dienstagmorgen waren verdeckte Ermittlungen vorausgegangen. Die Beschuldigten gehören laut Staatsanwaltschaft der mittleren und unteren Ebene der streng hierarchisch strukturierten Bande an. Sie sollen als sogenannte Logistiker fungiert haben, die die Betrügereien in Deutschland organisieren.

Die Drahtzieher der Bande zu fassen, sei dagegen kaum möglich. „Sie sitzen in der Türkei“, sagte Klinge. Von dort kämen auch die meisten Telefonanrufe. Um glaubhafter zu wirken, manipulierten die Täter die Rufnummern, so dass bei den Opfern die Amtsnummern örtlicher Polizeidienststellen im Display des Telefons erscheinen. „Teilweise benutzen die Betrüger auch die Namen tatsächlich existierender Polizisten“, sagte der Oberstaatsanwalt.

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