HANNOVER/BREMEN - Unter strengsten polizeilichen Sicherheitsvorkehrungen beginnt an diesem Montag in Hannover ein Großprozess gegen Mitglieder der berüchtigten Rockergruppe „Hells Angels“. Sie müssen sich wegen eines Raubüberfalls auf ein Vereinsheim der „Bandidos“ in Bremen verantworten. Dabei waren im März 2006 fünf Mitglieder des verfeindeten Motorradclubs schwer verletzt worden.
Insgesamt stehen 14 Rocker wegen der Tat vor Gericht. Mit einem Urteil wird frühestens im Februar gerechnet. Der Prozess kam im Sommer durch einen Aussteiger der „Hells Angels“ ins Rollen. Der 32-Jährige sei nun der Kronzeuge der Anklage, sagte Staatsanwältin Silke Streichsbier. Das Ex-Mitglied sitzt aber neben den anderen 13 „Hells Angels“ auch auf der Anklagebank. Der Mann hatte den Ermittlern die entscheidenden Tipps gegeben, die im Juni schließlich zur Festnahme von zehn Angeklagten führten. Vier weitere stellten sich daraufhin freiwillig der Polizei.
Derzeit sitzen die „Hells Angels“ in neun unterschiedlichen Gefängnissen in Niedersachsen in Untersuchungshaft.
Der Prozess hätte eigentlich im Landgericht in Verden stattfinden sollen, er musste aber wegen seiner schieren Größe nach Hannover verlagert werden. „Die Vielzahl der Angeklagten ist ungewöhnlich. Dafür haben wir in Verden keine ausreichenden Räumlichkeiten. Sicherheitsgründe gab es für die Verlegung nicht“, betonte eine Gerichtssprecherin.
Die ersten Zeugen in dem Prozess, darunter zwei Polizeibeamte, sollen am Dienstag gehört werden. „Es kann aber auch passieren, dass wir am Montag noch nicht mal zur Verlesung der Anklage kommen“, sagte die Staatsanwältin.
Bei dem Überfall hatten die „Hells Angels“ des Bremer Clubs im März 2006 mit Axtstielen auf die „Bandidos“ in deren Vereinsheim eingeschlagen. Danach hatten sie die fünf niedergeschlagen feindlichen Rocker gefesselt und ihnen mit Klebeband die Augen verbunden. Dabei schlugen sie weiter auf die Männer ein. Zum Schluss raubten sie Trophäen der „Bandidos“, darunter Vereinsembleme und andere Insignien.
Die „Bandidos“ rächten sich, unter anderem mit einem Überfall in Ibbenbüren, bei dem gut ein Jahr später ein Mitglied der „Hells Angels“ ums Leben kam. Der Mann wurde erschossen. Für die Tat waren – wie berichtet – im Sommer zwei „Bandidos“ in Münster wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden.
