Hannover - Trotz der Warnblinklichter und des Warntons am Bahnübergang läuft ein junger Mann mit Kopfhörern vor der herannahenden S-Bahn über die Schienen. Am anderen Ende versperrt ihm die inzwischen geschlossene Schranke fast den Weg. Als Bundespolizist Volker Rabe den eiligen Fußgänger auf sein gefährliches Verhalten anspricht, zeigt dieser sich einsichtig. Um die Zahl von Unfällen und gefährlichen Situationen zu senken, werben Bahn, ADAC und Bundespolizei vor Ort für ein sicheres Überqueren von Bahnübergängen, an diesem Dienstag in Mellendorf bei Hannover.

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„Das Problem ist die Rückstauung des Verkehrs an diesem Bahnübergang“, sagt Polizist Rabe. Pkw- und auch Lkw-Fahrer steuern auch wenn es stockt einfach auf die Schienen in der Hoffnung, dass kein Zug kommt. Wie es enden kann, wenn doch eine Bahn kommt, ist an diesem Vormittag auf dem Parkplatz der kleinen Station anschaulich zu sehen: Ein vollkommen zertrümmertes Autowrack, das im Emsland von einem Zug gerammt wurde, zeigt, welche Kräfte wirken und was von einem Pkw übrig bleibt, wenn es zur Kollision kommt.

„Zu 95 Prozent der Fälle werden die Unfälle verursacht durch diejenigen, die zu Schaden kommen“, sagt die Sprecherin des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt, Alexandra Kruse. „Viele kennen die Regeln nicht, andere wollen noch schnell zum Zug“, berichtet sie zu den Gründen, warum auch Fußgänger und Radler Blinklichter ignorieren oder auch Halbschranken umrunden. Gedanken- und Rücksichtslosigkeit bewege Autofahrer, Gas zu geben statt zu bremsen, wenn das Warnlicht zu blinken beginnt.

Um für mehr Sicherheit zu sorgen, hat die Bahn in Niedersachsen in den vergangenen fünf Jahren 20 Bahnübergänge geschlossen. In einigen Fällen gibt es jetzt ersatzweise Brücken oder Unterführungen, in anderen Fällen müssen die Menschen auf andere Wege ausweichen. Dutzende weitere Bahnübergänge wurden mit Blinklichtern und Schranken ausgestattet oder bestehende Sicherungen wurden verbessert.

Nach den jüngsten verfügbaren Daten kam es 2016 in Niedersachsen zu 20 Zusammenstößen an Bahnübergängen, in Bremen gab es keine Unfälle. Die meisten Unglücke könnten mit mehr Wachsamkeit im Straßenverkehr vermieden werden. Nach einer bundesweiten Untersuchung solcher Unfälle sind meist die beteiligten Auto- und Radfahrer oder Fußgänger Schuld. In 70 Prozent der Fälle missachteten sie die Warnlichter, in 16 Prozent der Unfälle umgingen sie geschlossene Halbschranken. Elf Prozent der Kollisionen ergaben sich durch Rückstaus, das Rangieren oder Liegenbleiben eines Wagens auf dem Überweg. In einzelnen Fällen gab es auch technische Fehler am Bahnübergang.

Zuletzt erfasste Ende August ein Regionalzug an einem unbeschrankten Bahnübergang in Landesbergen bei Nienburg ein Traktorgespann. Sowohl der Traktorfahrer als auch der Zugführer wurden leicht verletzt. Der Traktorfahrer hatte den Zug zunächst übersehen, im letzten Moment aber zurückgesetzt. Wenige Tage zuvor rammte ein Zug auf einem unbeschrankten Bahnübergang in Vechta einen Autoanhänger, der Lokführer und ein Fahrgast wurden leicht verletzt. Der Autofahrer war zuvor trotz Warnlichts mit seinem Wagen und dem Verkaufsanhänger über den Bahnübergang gefahren.

Wie die Bahn mitteilte, gibt es derzeit noch 2134 Bahnübergänge in Niedersachsen, in Bremen sind es 22. 1409 Bahnübergänge in Niedersachsen sind mit Schranken oder Blinklichtern gesichert, 725 zumeist schwach frequentierte Überwege an Nebenstrecken haben keine Sicherung. In Bremen ist nur ein Überweg ungesichert.