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NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Schiffsunglück beschäftigt Ermittler und Landtag

25.10.2019

Hannover Zehn Monate nach der Havarie des Riesenfrachters „MSC“ Zoe, der in der stürmischen Nordsee 345 Container verlor, kommen die Untersuchungen zur Unglücksursache voran. Ob eine Bodenberührung im Wattenmeer das schwere nächtliche Schiffsunglück am 2. Januar ausgelöst hat, sei aber weiterhin nicht geklärt, sagte der Direktor der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchungen (BSU) in Hamburg, Ulf Kaspera, der Deutschen Presse-Agentur.

Die BSU untersucht das Unglück gemeinsam mit der niederländischen Sicherheitsbehörde OVV. Diese stelle in einer Werkstatt mit Schiffsmodellen derzeit umfangreiche Untersuchungen zum Auslöser der Havarie an, sagte Kaspera. Auch im mittelamerikanischen Staat Panama, unter dessen Flagge die „MSC Zoe“ fährt, laufen Ermittlungen. Abschließende Ergebnisse aus allen drei Ländern werden erst im kommenden Jahr erwartet, so die BSU.

Für Aufsehen in den Niederlanden sorgt unterdessen ein TV-Bericht des Rechercheprogramms Zembla: Demnach ist die „MSC Zoe“ nach der Havarie mit einer defekten Black Box, dem sogenannten Voyage Data Recorder, sowie einem unfallbedingten Rumpfschaden in Bremerhaven eingelaufen. Dies geht aus einem von dem Sender veröffentlichten Kontrollbericht aus Bremerhaven vom 3. Januar hervor, in dem auch mangelnde Ruhezeiten der Besatzung aufgeführt sind.

BSU-Direktor Kaspera betonte, die erforderlichen Daten des Datenrekorders erhalten zu haben. „Das, was wir brauchen, wurde ausgelesen.“ Alle für die Behörde nötigen Daten seien verfügbar gewesen.

Die Sicherheit in der Containerschifffahrt und das Vermeiden von Umweltschäden durch Unfälle ist am Donnerstag auch Thema im Landtag in Hannover. Unter anderem geht es um eine Verbesserung der Ladungssicherheit auf Containerschiffen. Auch wird eine Ausstattung von Containern mit Unterwasser-Peilsendern angeregt, um sie nach einem Unglück leichter wiederfinden zu können. Eine Forderung ist auch, küstennahe Routen künftig für große Schiffe zu sperren. Ein solches Verbot gibt es bereits für große Tank- und Gastankschiffe. Die „MS Zoe“ hatte eine Strecke gewählt, auf der die Fahrtrinne 17 Meter tief ist. Das Schiff selber hat bis zu 16 Metern Tiefgang.

Von 3300 Tonnen, die in Containern über Bord gegangen waren, sind nach Behördenangaben nur ein Drittel geborgen und ein Drittel als Müll angespült worden. Damit fehlen noch rund 1100 Tonnen der Ladung, die auf dem Meeresgrund oder als Treibgut eine Gefährdung für die Umwelt und die Schifffahrt sein können.

Unter den 20 noch vermissten Containern soll auch noch ein Gefahrgutcontainer sein, der in deutschen Gewässern liegen könnte. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Filiz Polat hatte zuletzt vor der Einstellung der Suche und einer schleichenden Umweltkatastrophe gewarnt. „Das Verfahren ist erst beendet, wenn wir mit dem Ergebnis der Bergungsfirmen einverstanden sind“, sagte dazu Günther Rohe vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Emden. Niederländische und deutsche Behörden wollen zum aktuellen Stand und über das weitere Vorgehen an diesem Donnerstag beraten.

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